/ 20.06.2013
Werner Weidenfeld / Wolfgang Wessels (Hrsg.)
Jahrbuch der Europäischen Integration 2005
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006; 540 S.; 49,- €; ISBN 3-8329-1751-9Das Jahr 2005 wird in der Geschichte der europäischen Integration einen besonderen Stellenwert einnehmen. Nachdem sich die Regierungen der Mitgliedstaaten nach einigem Gezerre ein Jahr zuvor doch noch auf den Verfassungsvertrag geeinigt hatten, stellten die Bürger Frankreichs und der Niederlande mit ihrem „Nein“ offenkundig mehr in Frage als das Angebot der Verfassung für eine neue konstitutionelle Grundordnung. In die selbst verordnete Denkpause hinein erscheint nun zum 25. Mal das Jahrbuch der europäischen Integration. Dabei verdeutlicht der Jubiläumsband die Ambivalenz der gegenwärtigen Krise. Die Beiträge des Bandes zeigen quer durch die bewährte Gliederungssystematik, dass von und innerhalb der EU auch im Lichte der Verfassungskrise routinemäßig politische Entscheidungen gefällt werden, die das Bild vom „Stillstand“ schnell relativieren. Im Einzelnen werden in knappen, aber verlässlichen Beiträgen die Arbeit der Institutionen, die Politikbereiche, die Außenpolitik einschließlich der Erweiterungspolitik sowie die Europapolitik der Mitgliedstaaten bilanziert. Dass die gegenwärtige Rat- und Sprachlosigkeit der politischen Eliten der EU sich allerdings über kurz oder lang auf die Perspektiven gemeinschaftlicher Politik auswirken wird, dürfte unbestritten sein. Die nahezu 80 Beiträge des Bandes setzen dabei naturgemäß unterschiedliche Akzente. Während Weidenfeld optimistisch bleibt, wenn er argumentiert, er könne keinen Beleg dafür erkennen, dass nicht auch dieses Mal aus dem Scheitern eines Vorschlags „eine neue dynamische Vitalität“ entstehen könne (26), verweist Wessels auf die Verunsicherung in der integrationstheoretischen Debatte. Seine Bilanz zeigt: Ob die dominanten Theoriekonzepte und Leitbegriffe der vergangenen Jahre ihren Überlegenheitsanspruch behaupten können oder ob die Krise im politischen Umfeld auch zu einer Krise der Integrationstheorie führt, ist noch nicht ausgemacht.
Wilhelm Knelangen (WK)
Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 3.1 | 3.3 | 3.5 | 3.6 | 3.7
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Knelangen, Rezension zu: Werner Weidenfeld / Wolfgang Wessels (Hrsg.): Jahrbuch der Europäischen Integration 2005 Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25442-jahrbuch-der-europaeischen-integration-2005_29499, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29499
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Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
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