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/ 21.06.2013
Leo Kißler / Ralph Greifenstein / Elke Wiechmann

Großbaustelle Arbeitsverwaltung. Arbeitsbedingungen und -beziehungen im Schatten der Arbeitsmarktreform

Berlin: edition sigma 2008 (Modernisierung des öffentlichen Sektors Sonderband 31); 158 S.; 12,90 €; ISBN 978-3-8360-7281-6
Die sogenannten Hartz-Reformen haben einen radikalen Umbau der deutschen Arbeitsmarktpolitik – von der Reorganisation der Arbeitsverwaltung über die Etablierung neuer Instrumente bis hin zur tiefgreifenden Umstrukturierung der Versicherungsleistungen – eingeleitet. Dieser Prozess wird in ganzer Breite evaluiert, allerdings konzentrieren sich diese Evaluationen auf Wirkungsaspekte, also auf Fragen der Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt. Bisher haben Binnenaspekte der im Bereich des SGB II eingeführten neuen Organisationsformen – also den auf Kooperation zwischen der Bundesagentur für Arbeit und den Kommunen beruhenden Arbeitsgemeinschaften einerseits und andererseits den in alleiniger Zuständigkeit der Kommunen liegenden Optionslösungen – zu wenig Aufmerksamkeit gefunden. Über den Erfolg der Arbeitsmarktreformen gerade hinsichtlich der großen Gruppe der Langzeitarbeitslosen – und nur für diese sind Arbeitsgemeinschaften und Optionskommunen zuständig – dürfte mitentscheidend sein, ob und in welchem Umfang die neuen Organisationsformen handlungs- und strategiefähig sind. In der Praxis hat sich als eine erhebliche Schwierigkeit erwiesen, dass in den Arbeitsgemeinschaften zwei höchst unterschiedliche Verwaltungskulturen – die des zentralistisch ausgerichteten Agenturmodells und die der Kommunen – zur Zusammenarbeit finden müssen. Diese Problematik wird in der von der Hans-Böckler-Stiftung und ver.di geförderten Studie in vier Fallstudien aufgegriffen, in denen je zwei Optionsmodelle (Mülheim und Jena) und Arbeitsgemeinschaften (Bielefeld und Gotha) untersucht worden sind. Ergänzend wurden zwei bundesweite Online-Befragungen von Personalräten in beiden Organisationsbereichen durchgeführt. Die Befunde unterstreichen den hochgradigen Kompromisscharakter der organisationspolitischen Reform. Auch unabhängig vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das diese Form der Mischverwaltung untersagt, sehen die Autoren Verbesserungsspielraum nur dann, wenn sich die bestehenden Organisationen in Richtung einer Bürgeragentur für Arbeit und Soziales entwickeln können.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Leo Kißler / Ralph Greifenstein / Elke Wiechmann: Großbaustelle Arbeitsverwaltung. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29495-grossbaustelle-arbeitsverwaltung_34918, veröffentlicht am 16.12.2008. Buch-Nr.: 34918 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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