/ 20.06.2013
Roman Herzog / Stephan Hobe (Hrsg.)
Die Europäische Union auf dem Weg zum verfassten Staatenverbund: Perspektiven der europäischen Verfassungsordnung
München: C. H. Beck 2004 (Schriften des Rechtszentrums für Europäische und Internationale Zusammenarbeit 22); X, 227 S.; geb., 36,- €; ISBN 3-406-52093-6Der Band vereint Referate und Diskussionsbeiträge eines interdisziplinären Symposiums zur Genese der europäischen Verfassung. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie „die Rolle der historisch gewachsenen Nationalstaaten und ihre unverzichtbaren Funktionen mit der Notwendigkeit abgestimmt werden können, die Europäische Union selbst durch Recht von Verfassungsrang stärker zusammenzufügen" (2). In relativ kurzen Einzelbeiträge konzentrieren sich die Autoren auf drei Bereiche: Sie behandeln die Frage der Kompetenzverteilung zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten, beschäftigen sich mit der horizontalen Gewaltenteilung im Rahmen des supranationalen Regierungssystems und erörtern den Stellenwert einer verbindlichen Grundrechtscharta innerhalb der zukünftigen konstitutionellen Architektur Europas. Abschließend werden die Arbeiten des Brüsseler Verfassungskonvents aus verschiedenen nationalen Blickwinkeln gewürdigt. Obwohl all dies insgesamt einen recht komprimierten, aber dennoch guten Einblick in zentrale Themen der gegenwärtigen Verfassungsdebatte vermittelt, vermisst man eine tiefere verfassungstheoretische Einordnung und Bewertung des konstitutionellen Prozesses auf der europäischen Ebene. Insbesondere der im Titel angerissene Bezug zum Konzept des „Staatenverbundes" hätte mehr Beachtung verdient.
Aus dem Inhalt:
Stephan Hobe:
Ein Jahr danach - Ein wichtiger weiterer Schritt der europäischen Konstitutionalisierung: Der Verfassungsentwurf des Brüsseler Konvents im Lichte der Diskussion des Symposiums (13-18)
Roman Herzog:
Zum Begriff der „Europäischen Verfassung" (19-23)
1. Themenschwerpunkt: Kompetenzverteilung
Armin von Bogdandy:
Das Verhältnis der Gemeinschaft zu den Mitgliedstaaten: Brauchen wir eine neue vertikale Kompetenzverteilung? (27-39)
Bruno De Witte:
The institutional balance in the European Union: Is there a need for a new horizontal division of powers? (57-65)
2. Themenschwerpunkt: Europäische Grundrechte
Georg Ress:
Die europäische Grundrechtskonzeption. Brauchen wir eine verbindliche Europäische Grundrechtscharta? (83-107)
3. Themenschwerpunkt: Perspektiven von außen
W?adys?aw Czapli?ski:
Die Zukunft der Europäischen Union und die europäische Verfassung aus polnischer Sicht (119-127)
Kenneth G. Gromley:
Exploring A European Union Constitution: Unexpected Lessons. From the American Experience (132-153)
Abschlussdiskussion:
Jürgen Meyer:
Innenansichten aus dem Verfassungskonvent (169-175)
Christoph Grabenwarter:
Zwischenergebnis der Arbeit des Konvents aus österreichischer Sicht (176-178)
Margot Horspool:
A constitution for Europe. The views from the UK (179-183)
Kirk W. Junker:
Constituting the Future of Europe through a Democracy of Disciplines (184-196)
Vassilios Skouris:
Eine verfasste Europäische Union aus der Sicht des Europäischen Gerichtshofs (197-199)
Wolfgang Wessels:
Zur Debatte um einen europäischen Staatenbund: Sechs Thesen der Fusionstheorie (200-203)
Jiri Zemánek:
Die Perspektiven einer Verfassung für den europäischen Staatenverbund der Zukunft (204-208)
Jörn Ketelhut (JK)
Dr., Dipl.-Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 3.2
Empfohlene Zitierweise: Jörn Ketelhut, Rezension zu: Roman Herzog / Stephan Hobe (Hrsg.): Die Europäische Union auf dem Weg zum verfassten Staatenverbund: Perspektiven der europäischen Verfassungsordnung München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22061-die-europaeische-union-auf-dem-weg-zum-verfassten-staatenverbund-perspektiven-der-europaeischen-verfassungsordnung_25146, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25146
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Dr., Dipl.-Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
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