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/ 05.06.2013
Peter Skyba

Vom Hoffnungsträger zum Sicherheitsrisiko. Jugend in der DDR und Jugendpolitik der SED 1949-1961

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2000 (Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung 10); 460 S.; geb., 88,- DM; ISBN 3-412-15798-8
Diss. München; Gutachter: H. G. Hockerts. - "Die Geschichte der Jugendpolitik in der DDR bis zum Mauerbau ist vor allem die Geschichte einer krisenhaften Entwicklung." (417) So waren es gerade die Jugendlichen, die gegen das Regime arbeiteten und ihm den Rücken durch "Republikflucht" zuwandten. Die politikgeschichtliche Studie beschäftigt sich einerseits mit der Rolle der FDJ als "Transmissionsriemen" der SED (Herrschaftslegitimation von oben nach unten) und andererseits mit der Frage des "Interessenarrangements" zwischen Bevölkerungsgruppen (unten) und Regime (oben). Auf letzterem Aspekt liegt einer der Schwerpunkte der Untersuchung, die von der Hypothese ausgeht, dass sich Loyalität nicht nur durch Druck und Indoktrination alleine erzeugen lässt, sondern auch des Einlassens auf die Interessen der Zielgruppe bedarf. So wird das Problem der Herrschaftsdurchsetzung am Beispiel der Jugendpolitik analysiert. Die Rekonstruktion und Aufarbeitung der "Genese, Umsetzung und Wirkung jugendpolitischer Entscheidungen" (14), der Anstrengungen des SED-Regimes zur Vereinnahmung der Jugend für ihre Ziele sowie die Wirkung derselben stehen somit im Zentrum der Arbeit. Als Datenbasis wurde auf veröffentlichte und unveröffentlichte Dokumente, Protokolle etc. der SED, der FDJ und des Staatsapparates zurückgegriffen. Ein wesentliches Fazit der Studie, die u. a. für Historiker, Jugend- und Totalitarismusforscher, Politikwissenschaftler und auch Politikdidaktiker interessant sein dürfte, lautet: "Die Versuche des SED-Regimes, die Jugend mit Indoktrination und Druck für Staat und Partei zu gewinnen und für die Ziele der Partei zu instrumentalisieren, liefen weitgehend ins Leere und hatten sogar partiell kontraproduktive Wirkungen. Die aus dieser Erfahrung heraus unternommenen Anstrengungen, die Jugendarbeit zumindest teilweise an Interessen und Belangen der Zielgruppe auszurichten, waren nur von kurzer Dauer. Denn sobald die Heranwachsenden versuchten, die tolerierten Spielräume im eigenen Sinn zu nutzen und zu erweitern, sah die Parteidiktatur ihren Steuerungs- und Kontrollanspruch über die Gesellschaft in Gefahr und suchte einmal gewährte Freiheiten wieder zurückzunehmen." (426) Inhaltsübersicht: Die Durchsetzung des Machtmonopols der SED in der Jugendpolitik (1945-1949); Jugendpolitische Experimente in der frühen DDR (1949-1953); Jugendpolitik im Neuen Kurs (1953-1955); Jugendpolitische Reformversuche (1955/1956); "Sozialistische" Jugendpolitik (1957-1961).
Karsten Rudolf (KRu)
Dr.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Karsten Rudolf, Rezension zu: Peter Skyba: Vom Hoffnungsträger zum Sicherheitsrisiko. Köln/Weimar/Wien: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7946-vom-hoffnungstraeger-zum-sicherheitsrisiko_10535, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10535 Rezension drucken
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