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/ 22.06.2013
Florian Blank (Hrsg.)

Vetospieler in der Policy-Forschung

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2012; 193 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-531-17934-6
George Tsebelis hat mit seiner weithin rezipierten Vetospieler-Theorie (2002) einen Analyserahmen entworfen, der sich – eingebettet in die systemübergreifende Demokratieforschung – mit institutionellen Voraussetzungen politischen Wandels befasst. Tsebelis’ Sicht ist von einem Rational-Choice-Institutionalismus geprägt, demzufolge politische Reformen abhängig sind von der Zahl der Vetospieler und dem Grad ihrer internen Geschlossenheit einerseits und von der Nähe oder Distanz ihrer politischen Präferenzen andererseits. Für die Policy-Forschung ist Tsebelis’ Ansatz reizvoll, weil er die institutionelle Rahmung politischer Entscheidungen betont. Die Autoren des Sammelbandes überprüfen, ob und mit welchen Modifikationen sich dieser Ansatz auf politikfeldanalytische Fallstudien übertragen lässt. Mit diesem methodologischen Perspektivenwechsel sind zwei teils inhaltliche, teils konzeptionelle Implikationen verbunden. In den Fallstudien geht es um die Analyse von spezifischen politischen Prozessen und deren Ergebnissen; damit erhalten die Interaktionen zwischen den beteiligten Vetospielern – hier im Sinne von Tsebelis verstanden als institutionell mit Ressourcen ausgestattete Akteure, die über Blockademöglichkeiten verfügen – größere Bedeutung als im Vergleich politischer Systeme. Von dieser Zielsetzung ausgehend dienen die überwiegend empirisch ausgerichteten Beiträge zugleich einer Weiterentwicklung von Instrumenten der Policy-Forschung. Die behandelten Fälle beziehen sich auf die Familienpolitik der zweiten Großen Koalition (Regina Ahrens/Sonja Blum), die Ablehnung des BKA-Gesetzes von 2008 (Karen Bogdanski), die Bildungspolitik (Solveig Randhahn) und die Rentenreform von 1957 sowie die Wiederbewaffnung 1955 (Sebastian Nawrat). Einen Vergleich des Bikameralismus in Deutschland und Kanada unternimmt Sylvia Pannowitsch und Jochen Dehling diskutiert den Zusammenhang zwischen der Reichweite eines Politikwandels und den politischen Präferenzen der Vetospieler. Im Resümee des Herausgebers werden Möglichkeiten einer politikfeldanalytischen Erweiterung der Vetospieler-Theorie skizziert.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.452.3132.3312.343 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Florian Blank (Hrsg.): Vetospieler in der Policy-Forschung Wiesbaden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34006-vetospieler-in-der-policy-forschung_40759, veröffentlicht am 17.01.2013. Buch-Nr.: 40759 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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