/ 17.06.2013
Jeanette Hedwig Müller
Vertrauen und Kreativität. Zur Bedeutung von Vertrauen für diversive AkteurInnen in Innovationsnetzwerken
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2009 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXII, Soziologie 432); 278 S.; 44,80 €; ISBN 978-3-631-59229-8Politikwiss. Diss. – Die Autorin untersucht Vertrauen in verschiedenen Wissenschaften wie u. a. der Politikwissenschaft, der Ökonomie oder der Psychologie. Die hieraus gewonnenen Ergebnisse verbindet sie mit den Erfahrungen der Kreativitäts- und Netzwerkforschung. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Entwicklung von Kriterien, die bei der Vertrauensbildung zwischen diversiven Akteuren und Akteurinnen in Innovationsnetzwerken eine Rolle spielen. Denn Vertrauen ist ein Faktor, der sowohl für politische als auch für wirtschaftliche Fragen von grundlegender Bedeutung ist, um beispielsweise durch vereinfachende Annahmen Transaktionskosten einzusparen, schreibt Müller. Doch Vertrauen lässt sich nicht verordnen und so stellt sich die Frage, welche Rahmenbedingungen der Bildung von Vertrauen nützen, um sozial, ökonomisch und ökologisch sinnvolle Innovationen zu ermöglichen. Der Problematik der Definition eines Begriffs wie dem des Vertrauens nähert sich die Autorin über definitorische Ansätze aus verschiedenen Disziplinen, um schließlich als kleinsten gemeinsamen Nenner die Ermöglichung von Interaktion durch Vertrauen und „das Moment der Ungewissheit und das Risikohafte“ (26) zu betonen. Grundsätzlich stehen sich zwei Vertrauensmodelle gegenüber: das des rationalen und das des ethischen Vertrauens. Ersteres hat eine lange Tradition seit Thomas Hobbes und David Hume und stellt die Nutzenorientierung von Handeln in den Vordergrund. Diese Feststellung erweist sich als relevant für Müllers Ausführungen zu den Rahmenbedingungen schöpferischer Arbeit. Auch heute, führt sie aus, werde immer noch häufig die Tatsache verkannt, dass schöpferische Akte oft auf die Leistung eines Teams zurückgehen und dass hierzu auch ein Rahmen gehöre, der „Vertrauen, Selbstvertrauen und die Möglichkeit Fehler zu machen“, enthalte (188). Netzwerke, so Müller, böten gegenüber den Organisationsformen Markt und Hierarchie die Möglichkeit, gemeinsame Interessen zu besseren Innovationsbedingungen über den Steuerungsfaktor Vertrauen zu verfolgen. So formuliert die Autorin abschließend und grundsätzlich: „Vertrauen kann als Mikrofundierung gesellschaftlicher und politischer Ordnung verstanden werden“ (251).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Jeanette Hedwig Müller: Vertrauen und Kreativität. Frankfurt a. M. u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14853-vertrauen-und-kreativitaet_38632, veröffentlicht am 08.07.2010.
Buch-Nr.: 38632
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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