/ 20.06.2013
Oliver Hidalgo
Unbehagliche Moderne. Tocqueville und die Frage der Religion in der Politik
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2005; 469 S.; kart., 39,90 €; ISBN 978-3-593-37990-6Das Werk des ersten Soziologen der Demokratie, Tocqueville, erfreut sich nach Hidalgo in der politischen Gegenwart seit dem Ende des Ost-West-Konflikts besonderer Beliebtheit, weil sich Tocquevilles Prognose vom Siegeszug der Demokratie gegenüber den Prognosen anderer Propheten behauptet habe. Vor dem Hintergrund der Annahme, in Tocqueville gewissermaßen den ältesten Zeitgenossen der Demokratiediskussion zum Ansprechpartner zu wählen, will Hidalgo die Einheit des Werks des Franzosen darlegen. Trotz einiger Widersprüchlichkeiten im Detail lasse sich sein Werk von der „Fortdauer des Theologisch-Politischen“ (12) her als kontinuierlich und um dieselbe Fragestellung zentriert begreifen. Der genuine Forschungsbeitrag des Buches besteht darin, das vordergründige Thema der Tocqueville’schen Schriften, den Widerstreit zwischen Gleichheit und Freiheit, als „abhängige Variable des religiös-politischen Themas zu rekonstruieren“ (13). Tocquevilles „Theorie der Moderne“ wird in drei Schritten entfaltet, die die Zentralbegriffe „Demokratie“, „Revolution“ und „Religion“ als Motto wählen. Abschließend wird Tocquevilles kulturkritische Modernitätskritik mit der dekadenztheoretischen Modernitätskritik Nietzsches verglichen. Im Gegensatz zu der jüngst von einigen Interpreten vorgenommenen Parallelisierung dieser Theoretiker streicht Hidalgo heraus, „dass beide Denker in ihren wesentlichen Fragen als Antipoden zu sehen sind“ (20).
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33 | 5.41 | 2.61 | 2.64 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Oliver Hidalgo: Unbehagliche Moderne. Frankfurt a. M./New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25863-unbehagliche-moderne_30024, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30024
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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