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/ 22.06.2013
Claudia von Werlhof

Über die Liebe zum Gras an der Autobahn. Analysen, Polemiken und Erfahrungen in der "Zeit des Bumerang"

Rüsselsheim: Christel Göttert Verlag 2010; 315 S.; 19,80 €; ISBN 978-3-939623-21-2
„Die wichtigste Kraft, die uns zur Verfügung steht, ist eindeutig die enorme Liebe zum Gras an der Autobahn, die uns die Verbundenheit vom Grashalm bis zum Kosmos lehrt und damit den Ausstieg aus dem Teufelskreis der Gewalt ermöglicht“ (15). Das Gras an der Autobahn ist für von Werlhof eine Metapher für die Verbundenheit alles Seienden, das die moderne Technik im Verbund mit einer kapitalistisch-patriarchalen Zivilisation – für die die Autobahn steht – zerrissen hat. Diese Zerstörungskraft manifestiere sich in Abgasen, Schmutz und Lärm, könne das Gras aber nicht endgültig zerstören. So lautet der Leitgedanke, der die in dem Buch versammelten Essays, Reden, theoretischen Reflexionen und Erfahrungsberichte verbindet. Synonym für diese Zerstörungskraft, die von der Autorin mit einem zurückschnellenden Bumerang verglichen wird, ist die Katastrophe um das russische Atomkraftwerk Tschernobyl: „Drei Jahre nach Tschernobyl kippte dann das gesamte sowjetische System, das doch so sehr auf den ‚wissenschaftlich-technischen Fortschritt’ fixiert war, mitsamt dem Ostblock und der DDR“ (12). Die Zerstörung des World Trade Centers und der Zusammenbruch der Finanzmärkte führt von Werlhof ebenso auf den Bumerang-Effekt zurück. Krieg ist für sie der Versuch, „so zu tun, als sei eine Autonomie, also eine Unabhängigkeit gegenüber dem Leben, der Kultur, Frauen und Kindern, Pflanzen und Tieren, überhaupt möglich“ (129). Da ein Leben in dieser Realität aber letztendlich unmöglich sei, werde die parasitäre Natur des Krieges immer mit großem Aufwand an Lügen und Propaganda verschleiert. An anderer Stelle wird die Problematik des Begriffes „Kollateralschäden“ (158) thematisiert. Die Autorin bezieht ihn auf im Rahmen des NATO-Einsatzes im ehemaligen Jugoslawien zu Tode gekommene Frauen, Kinder und alte Menschen, deren Tod damit bagatellisiert werde. Als Antwort auf die mit den Themenkomplexen „Krieg“ und „neoliberale Globalisierung“ verbundenen Probleme verweist von Werlhof auf den Weg der Spiritualität, der zur Wiederauflösung mit Gewalt hergestellter Trennungen dienen könne.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.272.365.42 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Claudia von Werlhof: Über die Liebe zum Gras an der Autobahn. Rüsselsheim: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32803-ueber-die-liebe-zum-gras-an-der-autobahn_39175, veröffentlicht am 13.10.2010. Buch-Nr.: 39175 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA