/ 12.12.2013
Lucien van der Walt / Michael Schmidt
Schwarze Flamme. Revolutionäre Klassenpolitik im Anarchismus und Syndikalismus. Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Andreas Förster und Holger Marcks
Hamburg: Edition Nautilus 2013; 558 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-89401-783-5Im Anarchismus und seiner Ausformung, dem Syndikalismus, sehen die Autoren erklärtermaßen ein Gegengift zur gegenwärtigen Globalisierung unter neoliberalen Vorzeichen. „Das Problem, das sich jedoch auftut, ist, wie dieser ‚neue Glaube‘ am besten verbreitet werden kann“ (299), beschreiben Lucien van der Walt, Professor für Soziologie an der südafrikanischen Rhodes University, und sein Koautor Michael Schmidt im Kapitel über die Frage der konkreten politischen Organisation auch rückblickend diese Aufgabe, vor der der Anarchismus seit Beginn seiner Herausbildung steht. Die Historie – und nicht Gegenwart und Zukunft – ist denn auch der Dreh‑ und Angelpunkt des gesamten Buches über die (durchgängig nicht eingedeutschte) broad anarchist tradition: Aufgearbeitet wird die anarchistische Bewegung, die „erst in den 1860er Jahren [entstand], und zwar als ein Flügel der modernen Arbeiter‑ und sozialistischen Bewegung“ (18). Im Mittelpunkt stehen Fragen der Theorie, Strategie und Taktik sowie relevante soziale Themen. Als wichtige Theoretiker werden Michail Bakunin und Peter Kropotkin herausgearbeitet. Von grundsätzlicher Bedeutung ist die Definition des Anarchismus als „libertäre, d. h. freiheitliche Form des Sozialismus“ (14) – wobei sich im Verlauf der ausführlichen, insgesamt für den Anarchismus langatmig werbenden und nur selten ansatzweise kritischen Darstellung durchaus zeigt, dass es sich dabei um ein spezifisches Freiheitsverständnis handeln muss. Dies legt etwa die Abhandlung über Aufstand und Militanz nahe. Unter Bezugnahme auf Bakunin und Kropotkin wird weiter hervorgehoben, dass Anarchisten „eine nichtstaatliche, auf Selbstverwaltung beruhende Planwirtschaft […] auf Bedarfsgrundlage“ (69) bevorzugen. Hauptakteure haben Arbeiterschaft und Bauern zu sein. Obwohl ein zweiter Band über die konkrete „Weltgeschichte“ des Anarchismus folgen soll, haben die Autoren bereits etliche historische Begebenheiten, anarchistische Politiken, Streiks und eine Bewertung, die dem spanischen Anarchismus eine besondere Rolle in der Geschichte dieser Bewegung eher abspricht, eingearbeitet. Damit wird augenscheinlich, dass „die ‚glorreiche Ära‘ des Anarchismus und Syndikalismus von der Mitte der 1890er bis Mitte der 1912er Jahre“ (26) liegt und damit nach Ansicht der Autoren in einer frühen Phase der Globalisierung. Auch die akribische Durcharbeitung der Theorie lässt deutlich hervortreten, dass der Anarchismus vor allem in seinem ursprünglichen Kontext des 19. Jahrhunderts zu verstehen ist. Anknüpfungspunkte für eine friedliche Transformation der modernen Welt fallen eher weniger ins Auge.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22 | 5.43 | 5.33
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Lucien van der Walt / Michael Schmidt: Schwarze Flamme. Hamburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36512-schwarze-flamme_44549, veröffentlicht am 12.12.2013.
Buch-Nr.: 44549
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