/ 20.06.2013
Wolfram Wette (Hrsg.)
Schule der Gewalt. Militarismus in Deutschland 1871-1945
Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2005; 365 S.; 11,95 €; ISBN 3-7466-8124-3Auch wenn die Militarismuskritik nicht mehr grundsätzlich die öffentliche Aufmerksamkeit, zumindest die des historisch-politischen Fachpublikums, auf sich zieht, so hat sie doch nach wie vor ihre uneingeschränkte Daseinsberechtigung. Die Motivlagen der zeitgenössischen Kritiker am militaristischen Zeitgeist ihrer Epoche liegen zwar mitunter recht weit auseinander – so finden sich unter den Kritikern Anarchisten wie Offiziere –, aber es geht immer um die Frage, was Militär ist, was es sein sollte und was es auf keinen Fall sein darf. Das, was die Kritiker bekämpften, war – vereinfacht zusammengefasst – der Entwurf und die Durchsetzung des Primates des Militärischen in allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen. Und wenn man die Zeit zwischen 1871 und 1945 betrachtet, so war dies niemals eine bloße akademische Frage, sondern eine höchst existenzielle Frage nach dem Fortbestehen von Gesellschaft, von Staat und letztendlich dem Einzelnen selbst.
Aus dem Inhalt:
Der Militarismus der Kaiserzeit im Spiegel seiner Kritiker
Stig Förster:
Militär und Militarismus im Deutschen Kaiserreich. Versuch einer differenzierten Betrachtung (33-54)
Dieter Riesenberger:
Katholische Militarismuskritik im Kaiserreich (55-75)
Karl Holl:
Militarismuskritik in der bürgerlichen Demokratie des wilhelminischen Reiches. Das Beispiel Ludwig Quidde (76-90)
Bernhard Neff:
„Dekorationsmilitarismus“. Die sozialdemokratische Kritik eines vermeintlich nicht kriegsgemäßen Militärwesens (1890-1911) (91-110)
Ulrich Bröckling:
Kriege gibt es nur, weil es Staaten gibt. Facetten anarchistischer Militärkritik 1849-1934 (111-131)
II. Militarismuskritik von Frauen
Ute Kätzel:
Militarismuskritik sozialdemokratischer Politikerinnen in der Zeit des wilhelminischen Kaiserreiches (135-151)
Jennifer A. Davy:
‚Männliche’ Gewalt und ‚weibliche’ Friedfertigkeit. Die Militarismuskritik von Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann (152-170)
III. Pazifistische Gegner des Militarismus in der Weimarer Zeit
Detlef Bald:
Ein Offizier als Kritiker des preußisch-deutschen Militarismus. Alfons Falkner von Sonnenburg (173-191)
Friederike Gräper:
„Militarismus ist keine Frage der Technik“. Generalmajor Freiherr von Schoenaichs Militarismuskritik (192-206)
Lothar Wieland:
Als Gegner des Militarismus in der praktischen Politik – der Sozialdemokrat Heinrich Ströbel (207-227)
IV. Militarismen im internationalen Vergleich
Jakob Vogel:
Der „Folkloremilitarismus“ und seine zeitgenössische Kritik. Deutschland und Frankreich 1871-1914 (231-245)
Christoph Jahr:
British Prussianism. Überlegungen zu einem europäischen Militarismus im 19. und 20. Jahrhundert (246-261)
V. Nationalsozialistischer Militarismus
Manfred Messerschmidt:
Das neue Gesicht des Militarismus in der Zeit des Nationalsozialismus (265-279)
VI. Perspektiven
Ekkehart Krippendorff:
Friedensforschung als Entmilitarisierungsforschung (283-300)
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.311 | 2.312 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Wolfram Wette (Hrsg.): Schule der Gewalt. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23185-schule-der-gewalt_26546, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 26546
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Dr., Historiker.
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