/ 19.12.2013
Grzegorz Lissowski
Principles of Distributive Justice. Translated by Tomasz Bigaj
Opladen u. a.: Barbara Budrich Publishers 2013; 382 S.; 59,90 €; ISBN 978-3-8474-0092-9„Es ist universell akzeptiert, dass gesellschaftlich wichtige Güter in gerechter Weise verteilt werden sollten.“ (13) – Einzig die Frage, anhand welcher Kriterien sich eine gerechte Verteilung bemessen lässt und auf welchen Verteilungsverfahren sie genau beruhen sollte, provoziert eine nicht enden wollende Debatte. Lissowski unternimmt hier den weit ausgreifenden Versuch, unter primärer Bezugnahme auf die Philosophie des Utilitarismus sowie die Werke von John Rawls drei Prinzipien gerechter Verteilung zueinander zu vermitteln. Aus dem Zusammenspiel von Gleichheit, Unvoreingenommenheit und Einstimmigkeit ergebe sich, so seine Überlegung, eine analytische Matrix, anhand derer sich situativ gerechte Verteilungspraktiken näher beurteilen ließen. Gleichheit wird hier als ein grundlegendes Gerechtigkeitskriterium verstanden, das – etwa im Falle der Knappheit – eine Zuteilung von Gütern an Personen über den Losentscheid verlangt. Gleichheit setzt auf individueller Ebene zudem die Abwesenheit von Neid voraus. Das Prinzip der Unvoreingenommenheit verweist auf entscheidungstheoretische Vorannahmen, die hinsichtlich der Zuteilung von Gütern von der konkreten Lebenssituation der Person absieht. Einstimmigkeit schließlich meint die Kompetenz eines jeden Betroffenen, zu einer Entscheidung über Verteilungen ein Veto einlegen zu können. Sowohl in sozialer als auch in politischer Hinsicht sei die Reflexion über Folgeprobleme ungerechter Verteilung unerlässlich, denn Ungerechtigkeit und mangelnde Fairness in der Verteilung von Gütern, so Lissowskis Fazit, seien die Hauptquellen für gesellschaftliche Spannungen. Trotz der mitunter schwer zugänglichen Sprache – was vielleicht auch an der Übersetzung liegen mag – enthält der Band, der eine Rückschau auf die Arbeiten Lissowskis aus den vergangenen 20 Jahren darstellt und bereits seit 2008 in polnischer Sprache vorliegt, zahlreiche Anregungen, die für eine philosophische Auseinandersetzung mit dem Problem gerechter Verteilung von Gütern erhellend sein können.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Grzegorz Lissowski: Principles of Distributive Justice. Opladen u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36527-principles-of-distributive-justice_44412, veröffentlicht am 19.12.2013.
Buch-Nr.: 44412
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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