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/ 21.06.2013
Jasper A. Friedrich

Politische Instrumentalisierung von Sport in den Massenmedien. Eine strukturationstheoretische Analyse der Sportberichterstattung im DDR-Fernsehen

Köln: Herbert von Halem Verlag 2010 (Sportkommunikation 6); 446 S.; 32,- €; ISBN 978-3-938258-54-5
Medienwiss. Diss. Leipzig; Gutachter: H.-J. Stiehler. – Der Autor untersucht höchst detailreich mit den Instrumenten der empirischen Medienforschung Archive, Sendungen und organisationale Strukturen des DDR-Sportfernsehens zwischen 1952 und 1989. Außerdem wertet Friedrich zahlreiche Interviews mit journalistischen Akteuren und Akten der relevanten Institutionen des Sports und der Politik aus. Einführend erläutert er, dass letztlich kein gesellschaftlicher Teilbereich frei von politischer Einflussnahme sei. Zu einem Problem werde diese Beobachtung erst, wenn die Politik „hinsichtlich der Eigenlogik der Teilsysteme eine destruktive, hegemoniale Rolle einnimmt“ (16). Im Fokus der Arbeit liegt also die Aufdeckung „grundsätzlicher Mechanismen […] politischer Instrumentalisierung von Massenmedien“ (16). In seiner Analyse greift der Autor vor allem auf die Theorie der Strukturierung von Anthony Giddens zurück, anhand derer sich der Zusammenhang von Intentionen, Moral und Herrschaft in den Bereichen von Mikro-Handeln und Makro-Struktur beschreiben lässt. Für die Aufbauphase der Fernsehsportberichterstattung zwischen 1952 und 1955 hält der Autor als Quintessenz der Aussagen von Beteiligten fest, dass es kaum politisch-ideologische Einflussnahme gegeben habe. Und doch könne keineswegs davon ausgegangen werden, dass das Fernsehen dieser Jahre eine politikfreie Zone gewesen sei. Die politische Propaganda sei noch nicht wie in späterer Zeit organisiert und die Bedeutung der Sportredaktion nur zu gering gewesen, stellt er fest. In den folgenden Jahren lasse sich die politische Instrumentalisierung hingegen deutlich nachweisen. Erst die Jahre 1972 bis 1989 hätten eine langsame Entspannung und eine subtilere Form politischer Einflussnahme mit sich gebracht. Auch für die Gegenwart nennt Friedrich Beispiele der Instrumentalisierung freilich anderer Qualität: Parteizeitschriften, politische Magazine mit politischer Mitarbeiterauswahl oder „medienaktive Politiker“, denn die „Bevorzugung von bestimmten Journalisten und Medien beeinflusst die Selektion der Informationen“ (417).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Jasper A. Friedrich: Politische Instrumentalisierung von Sport in den Massenmedien. Köln: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30641-politische-instrumentalisierung-von-sport-in-den-massenmedien_36388, veröffentlicht am 26.07.2010. Buch-Nr.: 36388 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA