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/ 22.06.2013
Corrado Malandrino / Dieter Wyduckel (Hrsg.)

Politisch-rechtliches Lexikon der Politica des Johannes Althusius. Die Kunst der heilig-unverbrüchlichen, gerechten, angemessenen und glücklichen symbiotischen Gemeinschaft. Aus dem Italienischen übertragen von Florian Neumann

Berlin: Duncker & Humblot 2010; XIV, 394 S.; 28,- €; ISBN 978-3-428-12975-1
„Warum sollte man heute Althusius lesen?“ Diese Frage, von Giuseppe Duso explizit im Titel seines Beitrags gestellt, lässt sich nach der Lektüre der Aufsätze nicht unbedingt eindeutig und leicht beantworten – obgleich der ostfriesische Rechtsgelehrte und Calvinist Althusius (1563-1638) heute als einer der ersten Vertreter der Politikwissenschaft gilt. Im ersten Teil des Bandes, in dem die Autoren in das Hauptwerk „Politica“ (siehe auch ZPol-Nr. 23061) einführen und die Rezeptionsgeschichte in Deutschland und Italien beleuchten, wird vor allem deutlich, wie schwierig eine angemessene Lektüre seiner Schriften ist. Duso lehnt nicht nur eine Gegenüberstellung von Hobbes und Althusius ab, sondern warnt überhaupt davor, entlang später entwickelter Definitionen von Souveränität oder Demokratie die „Politica“ zu lesen, dies würde nur zu Missverständnissen führen. Auch Thomas O. Hüglin schreibt ausdrücklich, dass die „Politica“ kein Teil des Kanons der politischen Moderne sei und auch keine lineare Entwicklung von dieser Schrift zu heutigen Vorstellungen von Föderalismus führe – obwohl Althusius immer wieder als Ideengeber für die Europäische Verfassung genannt wird. Am Ende dieses ersten Teils bleibt also allerhöchstens die vage Vorstellung davon, dass „man bei Althusius den Übergang zu einem gewissen protomodernen Realismus und zur Autonomie der Politik hin feststellen kann“ (11), wie Corrado Malandrino einleitend formuliert. Das greifbare Besondere scheint zu sein, dass Althusius weniger den Staat von oben, sondern eher die Gemeinschaft von unten dachte. Auf die genaue Spurensuche danach, worin die ersten Andeutungen einer politischen Moderne bestehen können, begeben sich die Autoren im zweiten Teil des Bandes. Sie widmen jeweils einem zentralen Begriff einen Beitrag. Herauszulesen ist dann aber vor allem die tiefe Verwurzelung Althusius’ in den Schriften der griechischen wie römischen Antike. Die Aufsätze gehen überwiegend auf Diskussionsbeiträge zurück, die auf einem Studientag 2003 in Turin vorgestellt wurden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.32 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Corrado Malandrino / Dieter Wyduckel (Hrsg.): Politisch-rechtliches Lexikon der Politica des Johannes Althusius. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32239-politisch-rechtliches-lexikon-der-politica-des-johannes-althusius_38471, veröffentlicht am 09.06.2010. Buch-Nr.: 38471 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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