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/ 05.06.2013
Stefan Kuhlmann

Politikmoderation. Evaluationsverfahren in der Forschungs- und Technologiepolitik

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1998; 198 S.; brosch., 59,- DM; ISBN 3-7890-5534-4
Habilitationsschrift Kassel. - Vor dem Hintergrund der mittlerweile sehr breit geführten politikwissenschaftlichen Steuerungsdebatte, in der bekanntlich unter dem Einfluß systemtheoretischer und konstruktivistischer Ansätze skeptizistische Einschätzungen staatlicher Handlungsfähigkeit mehr und mehr überwiegen, sucht der Verfasser die Gestaltungsmöglichkeiten eines bestimmten - reflexiven - Politikmodus plausibel zu machen. Unter den Bedingungen zunehmender funktionaler Verflechtung staatlicher und gesellschaftlicher Akteure beruhen Einflußchancen des politisch-administrativen Systems - so die grundlegende These - auf dessen Moderationsfähigkeit von Policy-Prozessen (16 f.). Da Moderation sowohl wissensabhängig ist als auch die Kompetenz voraussetzt, mit unterschiedlichen Akteursperspektiven umgehen zu können (Stichwort: Verhandlungssysteme), stehen für den Autor Evaluationsverfahren als Kommunikationsmedien im Mittelpunkt seines Interesses (20). Post-positivistische Evaluationsansätze, die sich nicht mehr an das vermeintliche Ideal eines "objektiven" Wissens gebunden sehen, können im Kontext von Policy-Netzwerken - das ist die Pointe der Überlegungen - durch eine "sozialwissenschaftlich basierte Systematisierung der Informationsgrundlagen" einen "entscheidenden Beitrag zur Steigerung der 'Rationalität' von Entscheidungsprozessen leisten" (84). Der Autor, langjähriger Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung Karlsruhe, entwickelt seine Argumentation am Beispiel der (deutschen) Forschungs- und Technologiepolitik (47 ff.); vier einschlägige Fallstudien zur Verwendung von Policy-Evaluation als Moderationsmedium (115 ff.) dienen der Überprüfung des zuvor dargestellten Evaluationsansatzes (73 ff.). Aus dem Inhalt: 1. Einführung: Wird staatliche Steuerung reflexiv? 1.1 Zielsetzung: Modellierung von Steuerung als Moderation. 2. Zur "Steuerungsdebatte" in der Politikwissenschaft: 2. 1 Das Scheitern von Politikplanung; 2.2 "Steuerungspessimismus" versus "gemäßigter Steuerungsoptimismus"; 2.3 Resümee: Konvergenzbereiche. 3. Zur politischen Steuerung von Forschung und Technologie: 3.1 Das Politikfeld Forschung und Technologie; 3.2 Das Forschungssystem als autopoietisches System; 3.3 Das Forschungssystem im Verständnis des "akteurzentrierten Institutionalismus"; 3.4 Resümee: Verhandeln in der Policy-Arena des Forschungssystems. 4. Politikmoderation und Evaluation in administrativen und korporatistischen Verhandlungssystemen: 4.1 "Aufgeklärte" Steuerungsinstrumente - ein Defizit; 4.2 "Moderation" als Policy-Konzept und "aufgeklärtes" Steuerungsinstrument - ein Ansatz; 4.3 Mehr-Perspektiven-Policy-Evaluation als Moderationsmedium; 4.4 Resümee: Hypothesenmodell der Verwendung von Evaluation als Medium in Moderationsverfahren. 5. Policy-Evaluation als Moderationsmedium? - Fallstudien: 5.1 Evaluation der Förderung von Forschungskooperationen kleiner und mittlerer Unternehmen; 5.2 Evaluation der Förderung von "Dünnschichttechnologien"; 5.3 Implementation und Moderation von Erfolgskontrollen in der staatlich geförderten wirtschaftsnahen Forschung; 5.4 Evaluation interdisziplinärer klinischer Forschungszentren; 5.5 Resümee: Zwischen Legitimation und Moderation - ein Kontinuum von Evaluationsfunktionen. 6. Politikmoderation in Verhandlungssystemen: Schlußfolgerungen.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3432.331.2 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Stefan Kuhlmann: Politikmoderation. Baden-Baden: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7569-politikmoderation_10068, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10068 Rezension drucken
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