Skip to main content
/ 21.06.2013
Jessica Gentsch

Parteienkommunikation in der "Reflexiven Moderne" Eine Untersuchung parteipolitischer Diskursstrategien parlamentarischer Gentechnikpolitik

Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2009; 300 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-86573-412-9
Politikwiss. Diss. Siegen; Gutachter: S. Baringhorst, J. Bellers. – Die Autorin untersucht am Beispiel der Parlamentsdebatten zur Gentechnologie der 14. und 15. Wahlperiode, ob sich zwischen den Parteien neue Konfliktlinien abzeichnen und mit welchen Diskursstrategien die Parteien neuen technologischen Risiken begegnen. Gentsch untersucht detailliert die Argumentationssystematik der Parteien und wie diese verfahren, um unterschiedliche Interessen und Wertvorstellungen zu integrieren. Grundlegend für ihre Arbeit sind der Begriff und das Konzept der „Reflexiven Modernisierung“ nach Ulrich Beck und Anthony Giddens. Dieser Ansatz geht davon aus, dass ein radikaler Strukturbruch eine Erste von einer Zweiten Moderne trennt. Gleichzeitig würden Prinzipien der Ersten Moderne gesteigerte Geltung erfahren, aber eben auch kritisch infrage gestellt, wie sich an dem Beispiel der Wahrnehmung globaler Risiken zeige, so die Autorin. Dies hat Folgen für die Institutionen der Industriegesellschaft: Beispielsweise stehen damit auch die „Parteien […] auf dem Prüfstein“ (16), denn sie entscheiden etwas bei der Gentechnologie über eine Risikotechnologie mit. Doch demokratische Ordnungen in Industriegesellschaften nehmen an, dass technologische Entscheidungen nicht die Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenlebens verändern oder aufheben können, erläutert Gentsch. Als zentrales Ergebnis betont sie die Wertorientierungen der Parlamentsdebatten. Jedoch handele es sich dabei um keine einheitliche ethische Basis, sondern es konkurrierten diverse Ethikkonzepte um die Deutungsmacht. Lediglich für die FDP könne ferner von einer geschlossenen Diskursposition gesprochen werden, „bei allen anderen zeigte sich ein hohes innerparteiliches und innerfraktionelles Konfliktpotential“ (241). Infolge der Heterogenität der Parteienkommunikation erwartet Gentsch auch für die Zukunft, „dass die Kommunikation über Nebenfolgen der Moderne […] eine Herausforderung für Parteien bleiben wird“ (251). Sie geht mithin davon aus, dass die gesellschaftliche Rolle der Parteien als politische Akteure in normsetzenden Prozessen wachsen wird.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3312.3212.343 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Jessica Gentsch: Parteienkommunikation in der "Reflexiven Moderne" Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30849-parteienkommunikation-in-der-reflexiven-moderne_36660, veröffentlicht am 08.07.2010. Buch-Nr.: 36660 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA