/ 19.06.2013
Eric Voegelin
Ordnung und Geschichte. Band IX: Das Ökumenische Zeitalter. Weltherrschaft und Philosophie. Hrsg. von Manfred Henningsen. Aus dem Englischen von Jörg Fündling und Veronika Weinberger
Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2004; 257 S.; Ln., 25,90 €; ISBN 3-7705-3845-5Nach „Die Legitimität der Antike" ist dies der zweite Teilband zum „Ökumenischen Zeitalter" im Rahmen der von Peter J. Opitz und Dietmar Herz herausgegebenen Gesamtausgabe des monumentalen Spätwerks. In dieser Zeit macht „die kosmologische Auffassung der Realität einem neuen Realitätsverständnis Platz [...], in dessen Mittelpunkt die Differenzierung der Wahrheit der Existenz durch die hellenische Philosophie und die christlichen Offenbarungserfahrungen standen" (Voegelin, Autobiographische Reflexionen, 125 f.). Auf der philosophischen „Suche nach Ordnung" der menschlichen Existenz in Gesellschaft und Geschichte, die Voegelin mithilfe des Wandels politischer Ordnungen und ihrer Symbolisierungen zu erschließen sucht, wird daher im neunten und vorletzten Band - in kulturvergleichender Perspektive einschließlich China - das Thema weitergeführt: den Prozess der Geschichte als „Prozeß des sich differenzierenden Bewußtseins" (210) zu begreifen. Ausgehend von der „Transzendenzerfahrung" sieht Voegelin hierin eine der Grundbedingungen „geordneter" menschlicher Existenz; zugleich werden so die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts als „Bewusstseinsverlust" beziehungsweise „Realitätsverlust" entlarvt, da sie in ihrer Absicht, das Ende der Geschichte herbeizuführen, genau diese „conditio humana" missachten. Für Voegelin hielt der „Zustand öffentlichen Bewusstseinverlusts" weiter an, sodass es „zur Aufgabe der wahren Philosophen [wird], [...]. durch Rückgewinnung der historischen Schichtung des Bewusstseins auch das Bewusstsein selbst wiederzuerlangen" (23). Den Band rundet wiederum ein Sach- und Personenverzeichnis sowie ein Nachwort ab - diesmal von Henningsen als Herausgeber des Teilbands -, das den Einstieg in die Lektüre des Textes erleichtert.
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 5.31 | 5.34
Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Eric Voegelin: Ordnung und Geschichte. Band IX: Das Ökumenische Zeitalter. Paderborn: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20992-ordnung-und-geschichte-band-ix-das-oekumenische-zeitalter_24485, veröffentlicht am 03.12.2007.
Buch-Nr.: 24485
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Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
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