/ 04.06.2013
Bernd Wille
Ontologie und Ethik bei Hans Jonas
Dettelbach: Verlag J. H. Röll 1996 (Philosophische Brocken 3); 272 S.; brosch., 58,- DM; ISBN 3-927522-54-6Diss. Philosophische Fakultät III Universität Würzburg; Gutachter: F. Wiedemann, W. Baumgartner. - Jonas' Prinzip Verantwortung wurde zu Beginn der achtziger Jahre kontrovers diskutiert. Neben der politikwissenschaftlichen Kritik, die vor allem Jonas' Befürwortung einer Ökodiktatur galt, gab es zahlreiche im engeren Sinne philosophische Einwände, die sich etwa mit der Problematik des naturalistischen Fehlschlusses, den man in Jonas' Werk sah, auseinandersetzten. Wille beleuchtet ausführlich die Ausgangspunkte und philosophischen Grundlagen der Jonasschen Zukunftsethik und versucht unter anderem zu zeigen, "daß es erkenntnistheoretisch und wertphilosophisch legitim und möglich ist, angesichts der Natur Werturteile zu fällen - ohne den naturalistischen Fehlschluß zu begehen" (22 f.). Dieser Demonstration dient eine ausführliche Beleuchtung der Jonasschen Ontologie, in deren Kontext sowohl die Naturphilosophie als auch die Anthropologie des Verantwortungsphilosophen diskutiert werden. So läßt Wille das Bild eines konsistenten philosophischen Systems entstehen, dessen politische Problematik vom Autor allerdings nicht thematisiert wird. Der Gewinn des Buches liegt für Politikphilosophen unter anderem darin, daß es versucht, einen alternativen Ethikansatz zu stärken, der den Ansprüchen an eine zeitgenössische Ethik besser gerecht zu werden versucht als beispielsweise die Moralphilosophie Kants.
Michael Henkel (MH)
Priv.-Doz. DR., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.4
Empfohlene Zitierweise: Michael Henkel, Rezension zu: Bernd Wille: Ontologie und Ethik bei Hans Jonas Dettelbach: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3701-ontologie-und-ethik-bei-hans-jonas_4953, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4953
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Priv.-Doz. DR., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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