/ 22.06.2013
Martin H. W. Möllers / Robert van Ooyen (Hrsg.)
Neue Sicherheit. Band 1: Theorie der Sicherheit
Frankfurt a. M.: Verlag für Polizeiwissenschaft, Prof. Dr. Clemens Lorei 2011 (Jahrbuch Öffentliche Sicherheit – Sonderband 6.1); 208 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-86676-194-0Die diesjährige Ausgabe des Jahrbuchs für öffentliche Sicherheit wird in zwei Bänden (siehe Buch-Nr. 41920) publiziert. Dies liegt u. a. daran, dass der Begriff Sicherheit, wie die Herausgeber selbst deutlich machen, ein „komplex schillernder Begriff“ (9) ist, darüber hinaus einem Bedeutungswandel unterliegt und dessen Sinngehalt sich zudem in den vergangenen Jahren stark ausdifferenziert hat. In dieses Dickicht der neuen Unübersichtlichkeit versuchen die Autoren, Schneisen und Pfade zu schlagen, um systematisch den Sicherheitsbegriff zu klären, den Stand der Sicherheitsforschung zu reflektieren und die staatsrechtlichen Entwicklungen zu umreißen. So wird zum einen deutlich, dass die begriffliche Unklarheit nicht erst eine moderne Entwicklung ist, sondern bereits Wilhelm von Humboldt beschäftigte. Zum anderen wird ersichtlich, dass die vorherrschende Meinung innerhalb der Forschung darin besteht, den Begriff ex negativozu bestimmen, was auch etymologisch konsequent ist. Die sicherheitspolitische Forschung wiederum zeichnet sich teils durch fehlende empirische Fundierung, teils durch eine zu große Nähe von Wissenschaft und Politik aus, was u. a. auch die Dominanz des realistischen Ansatzes zu erklären vermag. Ferner kommen die neue Sicherheitsarchitektur und ihr Verhältnis zum Bürger zur Sprache. Unter Zugrundelegung des Dualismus von Freiheit und Sicherheit, entwickelt auf der Grundlage von John Locke und Thomas Hobbes, kommen Möllers und van Ooyen zu dem Schluss, dass sich die neue Sicherheitsarchitektur nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in Richtung Hobbes verschoben hat. Das System der Freiheitsrechte wird sukzessiv durch eine Schutzpflicht des Staates unter Berufung auf ein Grundrecht auf Sicherheit (Josef Isensee) überlagert. Welche giftigen Früchte solche sicherheitspolitischen Gedanken für den Rechtsstaat zu tragen vermögen, zeigt sich überdeutlich an der ebenfalls kritischen Diskussion der Forderungen nach einem Feindstrafrecht, der Inkaufnahme oder des Erfordernisses eines Bürgeropfers und der euphemistisch bezeichneten Rettungsfolter.
Patrick Stellbrink (PS)
M. A., Politikwissenschaftler, Promovend an der TU Chemnitz.
Rubrizierung: 1.3 | 4.2 | 2.2 | 5.44 | 2.25 | 2.343 | 2.323
Empfohlene Zitierweise: Patrick Stellbrink, Rezension zu: Martin H. W. Möllers / Robert van Ooyen (Hrsg.): Neue Sicherheit. Band 1: Theorie der Sicherheit Frankfurt a. M.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34872-neue-sicherheit-band-1-theorie-der-sicherheit_41919, veröffentlicht am 15.03.2012.
Buch-Nr.: 41919
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M. A., Politikwissenschaftler, Promovend an der TU Chemnitz.
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