/ 22.06.2013
Marco Metzler
Nationale Volksarmee. Militärpolitik und politisches Militär in sozialistischer Verteidigungskoalition 1955/56 bis 1989/90
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012; 793 S.; brosch., 124,- €; ISBN 978-3-8329-6669-0Diss. Chemnitz. – Der Autor möchte mit seiner Studie „zum Überarbeitungsprozess des Wissens zur DDR, speziell zum Militär des Landes, beitragen“ (56) – denn in der Tat gibt es bereits, wie Metzler selbst anmerkt, eine Fülle von Literatur zum Thema. Er hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, gründlich neu beziehungsweise nachzurecherchieren und stellt nun die Nationale Volksarmee (NVA) nicht nur in ihrer eng gefassten eigenen Geschichte (Entstehung, Struktur) dar. Die Armee wird vor allem auch als „militärpolitisches Instrument“ (28) sowie als politisch der Organisation des Warschauer Pakts verpflichtet dargestellt. Die Studie beginnt folgerichtig mit einer ausführlichen Erläuterung dieses osteuropäischen Militärbündnisses unter sowjetischer Führung, nach Metzler ohne militärische Notwendigkeit, wohl aber aus politisch-legitimierenden Motiven gegründet. Ausführlich diskutiert Metzler u. a. auch, ob die abweichende deutsche Fassung des Bündnisvertrages auf eine Schlamperei bei der Übersetzung zurückging oder nicht doch eher politisch gewollt war – jeder andere beteiligte Staat sollte im Verteidigungsfall den Beistand leisten, der ihm angemessen erschien, die DDR aber die Mittel einsetzen, die ihnen – also den anderen Verbündeten – angemessen erschienen. Metzler findet plausible Gründe dafür, dass hinter dieser abweichenden Formulierung Absicht stand, motiviert durch das Misstrauen gegen die (Ost-)Deutschen. Der vermeintliche Erfolg der SED-Führung, als Partner zumindest im Ostblock anerkannt zu werden, hatte also einen schalen Beigeschmack, auch wenn man nicht darüber sprach. Die Darstellung bleibt auch im Folgenden chronologisch angelegt, der Fokus verschiebt sich auf die NVA im Kontext des Warschauer Paktes. Das Misstrauen gegenüber den Deutschen oder doch zumindest ihre historisch bedingte Sonderrolle scheint dabei wieder auf, so bei der Niederschlagung des Prager Frühlings. Die sowjetische Führung verzichtete damals auf den Einsatz der NVA, die zuvor noch am Manöver beteiligt gewesen war. Deutlich wird insgesamt immer wieder das Auseinanderfallen der politischen Propaganda und der Realität. Störend im Lesefluss ist dennoch, dass Metzler so intensiv mit dem originalen DDR-Vokabular arbeitet, dass der Text mit An- und Abführungszeichen reichlich gespickt ist. Im Vorwort hat Eckhard Jesse zudem richtig angemerkt, dass der Studie Akzentuierungen fehlen, sie dafür aber Kompendiumscharakter hat „und auf diese Weise nahezu Vollständigkeit erreicht wird“ (6).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Marco Metzler: Nationale Volksarmee. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34451-nationale-volksarmee_41373, veröffentlicht am 23.08.2012.
Buch-Nr.: 41373
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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