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/ 20.02.2014
Đorđe Tomić / Roland Zschächner / Mara Puškarević / Allegra Schneider (Hrsg.)

Mythos Partizan. (Dis-)Kontinuitäten der jugoslawischen Linken: Geschichte, Erinnerungen und Perspektiven

Münster: Unrast 2013 (rat reihe antifaschistische texte); 431 S.; 24,- €; ISBN 978-3-89771-824-1
Das Buch ist das Ergebnis des von der Hans‑Böckler‑Stiftung geförderten zweijährigen stipendiatischen Projekts „Mythos Partizan. Partisan_innen im (post‑) jugoslawischen Diskurs“. Das Projekt setzte sich kritisch mit dem Partisan_innenmythos auseinander, der bis heute im kollektiven Bewusstsein und der Erinnerungskultur weiterlebt. Nach Vorarbeiten in Deutschland bereisten die acht Projektteilnehmer_innen mehrere symbolisch und geschichtlich wichtige Orte des ehemaligen Jugoslawiens, führten Interviews und glichen anschließend das Erlebte mit dem theoretisch Erarbeiteten ab. Einige Interviews und während der Reise aufgenommenes Bildmaterial sind im Buch abgedruckt. Es enthält aber auch zahlreiche Artikel von Wissenschaftler_innen, die sich mit dem Partisan_innenkampf während des Zweiten Weltkrieges, den Erinnerungen an diesen Kampf sowie den Widersprüchen in der (post‑) jugoslawischen Gesellschaft und ihren daraus hervorgegangenen sozialen Bewegungen und Protesten widmen. Mehrere der Wissenschaftler_innen gehören linken Gruppierungen an, sodass das Buch „auch ein Zeugnis der Linken selbst“ (8) ist, wie die Herausgeber_innen im Vorwort bekennen. Heike Karge geht in ihrem Beitrag der bisher kaum gestellten Frage nach, was einen architektonisch geformten Ort zu einem jugoslawischen Erinnerungsort qualifizierte. In ihrer Untersuchung beschränkt sie sich auf die drei Orte Sutjeska, Srem und Jasenovac, denen in den 1950er‑Jahren wegen der hohen Opferzahlen während des Zweiten Weltkriegs das Potenzial zugeschrieben wurde, Erinnerungsorte zu sein. Wie Karge feststellt, gab es allerdings nur zwei sehr „dünne“ (161) Kriterien für das, was als „jugoslawisch“ gelten sollte (Siegeszug der Führung, Repräsentation nach Außen). Alle weiteren Kriterien waren von vornherein unklar oder verwischten im Zuge des Auswahlprozesses. In ihrem Artikel über die serbische Linke stellen Mara Puškarevi? und Petar Atanackovi? die Diskrepanz zwischen deutschen und serbischen Linken in den 1990er‑Jahren heraus: während Erstere Miloševi? als Sozialisten ansahen und ihn unterstützten, lehnten Letztere die Politik des serbischen Präsidenten ab. Wegen der schwierigen Rahmenbedingungen sei die serbische Linke auch heute noch klein, aber durchaus lebendig und vielfältig.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.614.12.222.232.25 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Đorđe Tomić / Roland Zschächner / Mara Puškarević / Allegra Schneider (Hrsg.): Mythos Partizan. Münster: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36755-mythos-partizan_44725, veröffentlicht am 20.02.2014. Buch-Nr.: 44725 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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