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/ 20.06.2013
Susanne Lüdemann

Metaphern der Gesellschaft. Studien zum soziologischen und politischen Imaginären

München: Wilhelm Fink Verlag 2004; 214 S.; kart., 26,90 €; ISBN 3-7705-3989-3
Geisteswiss. Habilitationsschrift Konstanz. - Sind Sozialwissenschaften im Prinzip Textwissenschaften? Die Autorin - von Haus aus Literaturwissenschaftlerin und Soziologin - folgt dieser Prämisse des interpretativen Ansatzes und demonstriert dessen Fruchtbarkeit an ausgewählten Leitbegriffen der soziologischen und politischen Theorie in beeindruckender Weise. Der theoretische Bezug auf Gesellschaft als Einheit - sei es im Kontext von Organismusmodellen, sei es in der Figur eines Gesellschaftsvertrages - bedient sich stets metaphorischer Elemente. Die Sozialwissenschaften neigen jedoch dazu, ihre Textualität im Zeichen wissenschaftlicher Standards zu verhüllen. Wenn die spezifische Leistung metaphorischer Darstellungen von Gesellschaft auf der rhetorischen Verdichtung disparater Sachverhalte in einer semantischen Formel beruht, dann hat diese Operation immer auch eine spezifisch politische Qualität: „Jede Konstruktion gesellschaftlicher Totalität“ - so Lüdemanns leitende These - „will in ihrem referentiellen Begehren den ‚Bürgerkrieg' rivalisierender Konstruktionen beenden - ein für alle Mal.“ (13). Die Autorin möchte nun einerseits - durchaus ideologiekritisch - den blinden Fleck in der Verwendung zweier klassischer Metaphern (Organismus, Vertrag) herausarbeiten; als Referenz dienen hier die Werke von Durkheim, Tönnies und Hobbes. Dieser textanalytische Teil wird durch Überlegungen zum Konzept der Biopolitik (Foucault, Agamben) ergänzt. Andererseits geht es Lüdemann auch um die Weiterentwicklung eines „tragfähigen Begriffs des sozialen Imaginären“ (30 ff.) - hier bieten die Arbeiten Hans Blumenbergs die Basis einer kritischen Auseinandersetzung mit Castoriades. Als besondere Qualität der Studie ist hervorzuheben, dass sie sich vom Gestus einer postmodernen Vernunftkritik fern hält.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.15.35.42 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Susanne Lüdemann: Metaphern der Gesellschaft. München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22218-metaphern-der-gesellschaft_25338, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25338 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA