Skip to main content
/ 22.06.2013
Elmar Altvater

Marx neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Einführung in die Kritik der Politischen Ökonomie

Hamburg: VSA 2012; 142 S.; 9,- €; ISBN 978-3-89965-499-8
Nachdem im Zuge der Finanzkrise die „Kritik der politischen Ökonomie“ nicht nur unter Studierenden, sondern auch unter Politikern und Journalisten einen regelrechten neuen Hype erfahren hatte, erhöhten sich in den vergangenen Jahren auch die neu veröffentlichten wissenschaftlichen Einführungen in die Marx'schen Schriften. Eine weitere Einführung verlangt aus diesem Grunde durchaus nach einer gewissen Rechtfertigung. Dass mit Elmar Altvater der wohl profilierteste und kompetenteste Politikwissenschaftler auf diesem Gebiet in der Sammlung der Neuveröffentlichungen nicht fehlen darf, mag vielen als Begründung schon genügen. Darüber hinaus aber hebt sich das Buch durch seine Struktur und Argumentationsweise angenehm aus der Masse der Publikationen ab. Altvater plädiert in seiner Einleitung nachdrücklich dafür, Marx mit in die heutige Zeit zu nehmen statt sein Werk als abgeschlossene und zeitlos gültige Theorie zu betrachten. Denn erstens „verändert sich die Welt durch die gesellschaftliche Praxis, […] sodass die theoretische Analyse ebenfalls schnell mithalten muss“ (11). Zweitens „benötigt die gesellschaftsverändernde Praxis auch Zielvorstellungen, die sich nicht allein aus dem Analysierten ergeben“ (13). Der Autor wählt deswegen einen alternativen Ansatz zur Einführung in die „Kritik der politischen Ökonomie“, die sich nicht auf eine Zusammenfassung der Marx'schen Schriften beschränkt, sondern diese umgekehrt aus heutiger Sicht und bezogen auf konkrete Probleme nach ihrem theoretischen – und praktischen – Mehrwert befragt. Vor allem aktuelle Fragen nach Ursachen, Verlauf und Lösungen der gegenwärtigen Finanzkrise werden mithilfe der Marx'schen Theorie diskutiert und zu beantworten versucht. Dieses Vorhaben gelingt Altvater in unterhaltsamer und überzeugender Weise (und im Gegensatz zu manchen anderen seiner Standardwerke auch in einem Schreibstil, der sich nicht nur an Sozialwissenschaftler, sondern auch an ein breites Publikum wendet). Dabei schlägt er anhand jüngster wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen gekonnt den Bogen vom Beginn des ersten bis zum Ende des dritten Bandes des „Kapitals“. Wie auch alle anderen Marx-Einführungen ersetzt das Buch keine eigene Lektüre der Marx'schen Schriften – aufgrund der Ausrichtung an aktuellen Fragen vielleicht noch weniger als andere. Das Buch zu lesen ist jedoch ein reinstes Vergnügen und macht darüber hinaus gekonnt Lust, sich den Schwierigkeiten der wirklichen Marx-Lektüre zu widmen.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.455.33 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Elmar Altvater: Marx neu entdecken. Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34963-marx-neu-entdecken_42054, veröffentlicht am 25.10.2012. Buch-Nr.: 42054 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA