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/ 21.06.2013
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR (Hrsg.)

Konsum. Konsumgenossenschaften in der DDR

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2006; 204 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-412-09406-5
In diesem Begleitbuch zu einer Ausstellung des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt und der Neuen Kauffahrtei Chemnitz werden die Konsumgenossenschaften der DDR vorgestellt. Diese waren keine Erfindung der DDR, sondern konnten 1945 – unterbrochen durch die NS-Zeit – auf eine fast hundertjährige Geschichte zurückblicken. Auch im Westen existierten diese weiter, bis sie schließlich in den 70er-Jahren zur co op umgewandelt wurden. Während sich der konsumgenossenschaftliche Gedanke in einem marktwirtschaftlichen System nicht hat aufrecht erhalten lassen, wie der Historiker und Leiter des Dokumentationszentrums Ludwig schreibt, kam dem Konsum in der DDR die Aufgabe zu, die Landbevölkerung zu versorgen – nicht nur mit dem Verkauf von Lebensmitteln, sondern auch durch die Übernahme der Dorfgaststätten. Der Konsum wurde nicht verstaatlicht, dennoch aber zu einem integrativen „Bestandteil einer sozialisierten und kontrollierten Ökonomie“ (13). Dabei wurde der Konsum auch ideologisch durchdrungen und instrumentalisiert, über eigene Schulungssysteme sollten Mitarbeiter und Mitglieder mobilisiert werden. Man zielte besonders auf die Frauen, Ludwig zitiert die Einschätzung eines Mitglieds des SED-Zentralsekretariats von 1947, wonach die Genossenschaften die „Grundschule für die politische Erziehung der Frau“ (23) seien. Vom Alltag in den Konsumläden, von mürrischen Verkäuferinnen und dem oft schlechten Warenangebot erzählt anschaulich Merkel, Professorin für Europäische Ethnologie in Marburg. Diese Konsumentensicht wird ergänzt durch ein Interview mit einer ehemaligen Leiterin eines Dorfkonsums, die vor allem von Mangelwirtschaft und schlechter Planung berichtet. Sein Vermögen (das ihm von Staat wieder abgenommen wurde) erwirtschaftete der Konsum über eine eigene Produktion, einige Betriebe konnten über den Umbruch 1989/90 gerettet werden. Andere Versuche wirtschaftlich zu arbeiten schlugen fehl – dem Konsum-Versandhaus wurde 1973 von der SED eine „fortdauernde Umsatzideologie“ (66) vorgeworfen. Wenig später scheiterte es am allgemeinen Warenmangel.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR (Hrsg.): Konsum. Köln/Weimar/Wien: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27360-konsum_32036, veröffentlicht am 27.03.2008. Buch-Nr.: 32036 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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