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/ 22.06.2013
Ulrich Mählert / Jörg Baberowski / Bernhard H. Bayerlein / Horst Dähn / Bernd Faulenbach / Ehrhart Neubert / Peter Steinbach / Stefan Troebst / Manfred Wilke (Hrsg.)

Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2012. Hrsg. im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Berlin: Aufbau-Verlag 2012; XI, 460 S.; 38,- €; ISBN 978-3-351-02749-0
Den Schwerpunkt des Bandes bildet das Konzept des „neuen Menschen“. Es wird untersucht, wie es in verschiedenen kommunistischen Regimen weltweit angewandt wurde. 14 Beiträge sind dieser Frage gewidmet und machen deutlich, „dass Gewalt und Terror die wesentlichen Instrumente waren, um Mensch und Gesellschaft im Sinne der kommunistischen Herrscher und Ideologen zu formen“ (IV). Trotz dieser strukturellen Gemeinsamkeiten konnte das Konzept mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden, wie Florian Grams in seiner einleitenden Übersicht – ausgehend von wenigen Äußerungen von Karl Marx zum „neuen Menschen“ – anhand der Bildungsfrage zeigt. Hauke Neddermann betont die hohe Bedeutung entsprechender Überlegungen für China, wo das Konzept vor allem in der Etablierungsphase der Volksrepublik als eines „der wirkmächtigsten gesellschaftlichen Ordnungsmuster“ diente: „Es strukturierte die revolutionäre Transformation der chinesischen Gesellschaft und prägte die Identität der Menschen im realsozialistischen Staat.“ (83) Der Autor zeigt dies am Beispiel des „Produktions- und Aufbaukorps“ – einer Großorganisation zur ökonomischen, politischen und militärischen Entwicklung der Grenzregion – im Xinjiang der 1950er-Jahre. Claudia Christiane Gatzka beleuchtet, wie eng sich Konzepte der Kommunistischen Partei in Italien an den bestehenden, katholisch geprägten Moralvorstellungen orientierten. Hier bewegte sich der „neue Mensch“ also auf „ausgetrampelten Pfaden“ (145). Und auch wenn zunächst die Eigenverantwortung eines jeden Menschen als „Subjekt des Fortschritts“ (147) betont wurde, gab die Partei kollektive Handlungs- und Verhaltensmuster vor. Ein zweiter Themenschwerpunkt mit drei Beiträgen widmet sich den deutschen Debatten um das Phänomen des „Eurokommunismus“ in den 1960er- und 1970er-Jahren. Dabei zeigt sich, dass sich die wachsenden politischen Erfolge kommunistischer Parteien – etwa in Italien – nicht nur als Herausforderung für die Beziehungen der westeuropäischen Staaten zu den USA erwiesen, sondern auch für die „orthodoxen“ kommunistischen Regime in Zentral- und Osteuropa.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.222.252.612.622.682.3132.3142.331 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Ulrich Mählert / Jörg Baberowski / Bernhard H. Bayerlein / Horst Dähn / Bernd Faulenbach / Ehrhart Neubert / Peter Steinbach / Stefan Troebst / Manfred Wilke (Hrsg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2012. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35058-jahrbuch-fuer-historische-kommunismusforschung-2012_42195, veröffentlicht am 07.06.2012. Buch-Nr.: 42195 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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