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/ 05.06.2013
Nasr Hamid Abu Zaid

Islam und Politik. Kritik des religiösen Diskurses. Aus dem Arabischen von Chérifa Magdi. Einleitung von Navid Kermani

Frankfurt a. M.: dipa-Verlag 1996; 223 S.; brosch., 36,- DM; ISBN 3-7638-0335-1
Abu Zaid gilt als der gegenwärtig meistdiskutierte arabische Gelehrte sowie als einer der international anerkanntesten Literatur- und Koranwissenschaftler. Sein erstes Buch in deutscher Übersetzung ist eines der wenigen Originalquellen, die einem westlichen Lesepublikum zugänglich wird; und dies nicht zuletzt auf Grund des Skandals, den es auslöste, sowie der nachfolgenden Bedrohung des Autors. In der einleitenden Darstellung der "Affäre Abu Zaid" verweist Kermani auf jenes "zweifelhafte Glück" (10) einiger prominenter Intellektueller des Orients, welches gleichzeitig auf "die denkbar schlechteste Perspektive" (11) einer unvorbelasteten wissenschaftlichen Auseinandersetzung hindeute. Die Kritik des religiösen Diskurses liefert keineswegs vordergründig revolutionäre Thesen oder eine Neuinterpretation des Korans. Vielmehr knüpft der Autor mit seiner Forderung, religiöse Texte mit den Methoden der modernen Linguistik und Hermeneutik zu untersuchen, an die lange Tradition eines Interpretationspluralismus an. Während sich islamische Gelehrte seit dem 10. Jahrhundert bereits eines sprachwissenschaftlichen Instrumentariums bedienten, leugnet der aktuelle "religiöse Diskurs" jede Historizität religiöser Texte sowie deren Interpretationen und beansprucht die absolute Gültigkeit eines Wissens, über das nur "Gott allein verfüge" (17). Die politische Brisanz der Studie erklärt sich nicht nur aus der Kritik sowohl des konservativen Diskurses als auch des Projekts der islamischen Linken. Abu Zaid analysiert ebenso die Mitverantwortung des ägyptischen Staates für religiösen Fanatismus und Terrorismus. Mit seiner historisch-kritischen Annäherung an den Koran wendet er sich gegen jeden Mißbrauch religiöser Vorstellungen sowie deren Übertragung auf die heutige Politik. Inhaltsübersicht: 1. Der zeitgenössische religiöse Diskurs, seine Mechanismen und Denkansätze; 2. Das religiöse Erbe zwischen Interpretation und Verzeichnung; 3. Die Lektüre der religiösen Texte – Untersuchung zur Erkundung der Bedeutungsarten.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.232.635.25.34 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Nasr Hamid Abu Zaid: Islam und Politik. Frankfurt a. M.: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7406-islam-und-politik_9857, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9857 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA