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/ 21.06.2013
Albin Christoph Lohninger

Interdisziplinäre, völker- und europarechtliche Grundlagen der Gen- und Biotechnologie

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2007; 385 S.; brosch., 46,- €; ISBN 978-3-8329-2455-3
Die Gen- und Biotechnologie ist ein Bereich regulativer Politik, in dem ein hochgradig sektoral und vertikal differenziertes rechtliches Regelwerk jenseits des Nationalstaats entstanden ist. Dieses regulative Geflecht summarisch und teils analytisch darzustellen, ist eines der zentralen Ziele des Autors. Neben inhaltlichen und rechtssystematischen Ausführungen skizziert Lohninger die Entstehungsgeschichte internationaler und supranationaler Regulierungen – die Gründe und Konflikte werden dabei gleichwohl kaum beleuchtet. Ferner werden Regelungsdefizite im Bereich der Nord-Süd-Beziehungen und des Verbots reproduktiven Klonens identifiziert. Darauf, dass die rechtliche Regulierung auf ethische Normen aufbaut, verweist Lohninger im ersten Teil, der neben den ethischen in die naturwissenschaftlichen und ökonomischen Grundlagen einführt. Außerdem wird auf zentrale Anwendungsbereiche der Technologie in der Landwirtschaft, in der Medizin und der industriellen Produktion eingegangen. Damit ist das Buch ein sehr nützliches Kompendium der vielfältigen völker- und europarechtlichen Grundlagen der Bio- und Gentechnologie. Im Völkerrecht fällt die Vielzahl einschlägiger Regelungen auf, die von internationalen und regionalen Organisationen – von der UN und einigen ihrer Sonderorganisationen bis hin zur WTO, OECD und Europarat – mit differierendem territorialem Geltungsbereich und unterschiedlichem Verbindlichkeitsgrad in Kraft gesetzt wurden. Im Unterschied zum eher „weichen“ Völkerrecht ist das einschlägige Europarecht dichter, detaillierter und verbindlicher. Gerade im Bereich der „grünen“, d. h. landwirtschaftlichen Gentechnologie findet sich ein umfassendes Regelungsgeflecht, in dem horizontale Regelungen und vertikale Vorschriften ineinander greifen. Die „rote“, d. h. medizinische Gentechnologie ist bislang sowohl europa- als auch völkerrechtlich nur im Ansatz reguliert. Gerade in diesem Bereich spielt das „unterschiedliche gesellschaftliche Ethos“ (357) eine wichtige Rolle und erfordert nach wie vor nationale Rechtsetzung.
Gabriele Abels (GAB)
Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 4.14.434.33.2 Empfohlene Zitierweise: Gabriele Abels, Rezension zu: Albin Christoph Lohninger: Interdisziplinäre, völker- und europarechtliche Grundlagen der Gen- und Biotechnologie Baden-Baden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27322-interdisziplinaere-voelker--und-europarechtliche-grundlagen-der-gen--und-biotechnologie_31991, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 31991 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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