/ 19.06.2013
Stefan Uecker / Michael Wiemer (Hrsg.)
Individuum und Kollektiv. Politische Theorie zwischen Liberalismus und Kommunitarismus. Beiträge anlässlich einer Tagung von StipendiatInnen der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin vom 18.-21.10.2001
Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2003 (Bundesvertretung der Stipendiatinnen und Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung. Seminarreihe Bonner Venusberg 2); 178 S.; brosch., 18,- €; ISBN 3-936846-55-3Den begrifflichen Rahmen für die Diskussion über Individuum und Kollektiv liefert Dietmar von der Pfordten. Er stellt eine Klassifikation der Geschichte der neuzeitlichen politischen Philosophie vor, die er gegenüber anderen klassifikatorischen Bemühungen wie der des Kontraktualismus (Kersting) und des Liberalismus (Berlin u. a.) für überlegen hält. Hier soll die politische Ideengeschichte der Neuzeit entlang der Dichotomie von normativem Individualismus und normativem Kollektivismus geschrieben werden, um ihre wesentlichen Diskussionslinien und Divergenzen deutlicher zutage treten zu lassen. Diese Kategorisierung greift Karl-Eberhard Hain in seinen Überlegungen zur Grundentscheidung des Grundgesetzes für individuelle Autonomie auf. Peter Unruh stellt dann den spezifischen Liberalismus von Rawls den libertären Verkürzungen von Nozick und Buchanan entgegen. Die Theorie der Gerechtigkeit von Rawls wird als die elaborierteste Version liberaler Gesellschaftstheorie vorgestellt. Walter Reese-Schäfer interpretiert den Kommunitarismus als Reaktion auf die Konstellation der postmodernen Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft, als Versuch, dem „kalten“ Neuliberalismus etwas entgegenzusetzen. Ein so verstandener Kommunitarismus hat, das zeigt Klaus-Jürgen Scherers Aufsatz, einen erheblichen Niederschlag in der Programmatik der deutschen Sozialdemokratie gefunden. Scherer behauptet, dass kommunitarisches Denken ins Zentrum einer sozialdemokratischen Politikstrategie gerückt sei, die unter dem Leitbegriff der Zivilgesellschaft einen neuen kooperativen Politikstil propagiere. Markus Pins fragt abschließend nach freiheitlichen Gleichheitstheorien im globalen Kontext. Seine recht abstrakten Überlegungen resultieren in der Entwicklung eines an der Rawls’schen Sozialtheorie angelehnten „Globale Vielfalt für gleiche Freiheit Arguments“ (149 ff.), das der stärkeren globalen Differenz mit einem materialen Freiheitsbegriff begegnen will. Insgesamt vermittelt der Band einen gelungenen Einblick in einige Elemente der Kommunitarismusdebatte.
Aus dem Inhalt:
Dietmar von der Pfordten:
Normativer Individualismus versus normativer Kollektivismus in der Politischen Philosophie der Neuzeit (11-34)
Karl-E. Hain:
Autonomie als Grundlage der Verfassungsordnung des Grundgesetzes (35-59)
Peter Unruh:
Verteilungsgerechtigkeit in neueren Vertragstheorien – Eine Analyse der Positionen von Rawls, Nozick und Buchanan (61-103)
Walter Reese-Schäfer:
Kommunitarisches Denken in der postmodernen Gesellschaft (105-118)
Klaus-Jürgen Scherer:
Kommunitarische und liberale Elemente in der Programmatik der Sozialdemokratie (119-134)
Markus Pins:
Globale Vielfalt für gleiche Freiheit (135-174)
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.43 | 5.3 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Stefan Uecker / Michael Wiemer (Hrsg.): Individuum und Kollektiv. Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21213-individuum-und-kollektiv_24759, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24759
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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