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/ 22.06.2013
Julian-André Finke

Hüter des Luftraumes? Die Luftstreitkräfte der DDR im Diensthabenden System des Warschauer Paktes. Hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt

Berlin: Ch. Links Verlag 2010 (Militärgeschichte der DDR 18); XII, 395 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-86153-580-5
Geschichtswiss. Diss. Bonn; Gutachter: J. Scholtyseck, D. Krüger. – Die Luftwaffe war in den militärischen Planungen beiderseits des Eisernen Vorhangs von zentraler Bedeutung. Insbesondere über Mitteleuropa schwebte das Damoklesschwert der atomaren Bedrohung, weswegen die Staaten ihre Luftverteidigung auf supranationaler Ebene in Bündnissen organisierten. Finke beschreibt diese Vorgänge unter Betonung der militärtechnischen Aspekte für die DDR. Mit der Frage nach der Integration der ostdeutschen Luftwaffe in das Verteidigungssystem des Warschauer Paktes stellt sich auch die Frage nach den Spielräumen der DDR-Führung und mithin, in welchem Maße sie gegenüber sowjetischen Ansprüchen souverän war. Grundsätzlich war die DDR „existenziell von der Unterstützung seiner Hegemonialmacht und der Zementierung des Blockgegensatzes abhängig und überlebt dessen Ende folglich nicht“ (3). Insofern kann nach Ansicht des Autors von einer Souveränität der DDR immer nur in bilateraler Perspektive zur Sowjetunion gesprochen werden, in der die Verflechtungen, Handlungsspielräume und Abhängigkeiten genau untersucht werden. Mitte der 70er-Jahre setzte in der Sowjetunion eine ernste ökonomische Krise ein. Die Regierung sah sich zu einer stärkeren Schwerpunktbildung bei der Verwendung der finanziellen Ressourcen gezwungen und von den verbündeten Staaten wurde ein finanzieller Mehraufwand verlangt, den die DDR-Führung auch ohne Diskussion erbrachte. Darin, so Finke, zeigte sich jedoch nicht nur der Gehorsam Ost-Berlins, sondern man sah in der DDR „in der Ausweitung ihres militärischen Engagements auch eine Möglichkeit, den eigenen Verantwortungsbereich zu erweitern“ (229). Denn von Anfang an waren die ostdeutschen Luftstreitkräfte, wie die gesamte NVA, vollständig in den Warschauer Pakt integriert. Der DDR verblieben also keine ausschließlich national geführten Truppenteile. So kommt Finke trotz eines gewissen Emanzipationsprozesses der DDR zu der Einschätzung, dass die DDR „aber letzten Endes nur ein Objekt und kein bestimmender Akteur war“ (312 f.).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Julian-André Finke: Hüter des Luftraumes? Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32276-hueter-des-luftraumes_38518, veröffentlicht am 17.06.2010. Buch-Nr.: 38518 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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