/ 22.06.2013
Pavel Kolář / Miloš Řezník (Hrsg.)
Historische Nationsforschung im geteilten Europa 1945-1989
Köln: SH-Verlag 2012 (Kölner Beiträge zur Nationsforschung 10); 218 S.; 32,- €; ISBN 978-3-89498-268-3Der Forschertätigkeit des tschechischen Historikers Miroslav Hroch ist einer der drei Themenschwerpunkte des Bandes gewidmet, der insgesamt eine „reflexive Historisierung“ zwar „keine[r] institutionell verfasste[n] Disziplin, allerdings eine[s] dicht vernetzten Diskussionszusammenhang[es]“ (7) – der historischen Nationsforschung, ihrer Protagonisten, Konzepte und Schulen – zum Ziel hat. Der Band enthält die Beiträge einer Tagung, die 2008 anlässlich des 75. Geburtstages von Hroch in Prag stattfand. Zugleich beschließt er die 1993 vom Arbeitskreis für Nationalismusforschung begründete Reihe „Kölner Beiträge zur Nationsforschung“. In acht deutsch- und fünf englischsprachigen Beiträgen wird das Verhältnis von Politik und Nationsforschung als „komplexe miteinander vernetzte gesamteuropäische Problematik“ (9) dargestellt, die bipolare Perspektive des Kalten Krieges mit ihrer strengen Unterscheidung von Ost und West also hinterfragt. Stephanie Zloch zeigt dabei auf, wie stereotype Untersuchungsansätze der Zwischenkriegszeit mit Blick auf Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg von der deutschen Nationsforschung fortgeschrieben wurden. Es dominierten Dichotomien wie „Ordnung vs. Irrationalität“ (57), „Integration vs. Sezession“ (58) oder „Fortschritt vs. Rückständigkeit“ (62). Aktuell werden ähnliche Entwicklungstendenzen betont und auch das Kontrastpaar „West vs. Ost“ sei noch nicht vollends aufgehoben beziehungsweise werde in der Variante „postnationaler Westen vs. nationaler Osten“ (70) weiter tradiert. Hans-Jürgen Puhle ordnet die theoretischen Grundlagen von Hrochs Werk in den Kontext der (politikwissenschaftlichen) Nationalismustheorien ein. Demnach bildete ein sozialhistorischer Ansatz in Verbindung mit der Modernisierungstheorie den Ausgangspunkt entsprechender Untersuchungen. Hroch widmete sich darin vor allem den Nationalbewegungen der „kleinen Nationen“ Ostmitteleuropas. Otto Dann betrachtet die Verwendung des Nationsbegriffs im geteilten Deutschland, die sich als „divergent und instabil“ erweist. Heute sei der Begriff zugunsten des „Projekts Europa“ „suspendiert“ (215).
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.61 | 2.25 | 2.313 | 2.314 | 5.41 | 2.2 | 5.2
Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Pavel Kolář / Miloš Řezník (Hrsg.): Historische Nationsforschung im geteilten Europa 1945-1989 Köln: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35284-historische-nationsforschung-im-geteilten-europa-1945-1989_42499, veröffentlicht am 30.08.2012.
Buch-Nr.: 42499
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M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
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