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/ 20.06.2013
Bernd Greiner / Christian Th. Müller / Dierk Walter (Hrsg.)

Heiße Kriege im Kalten Krieg. Studien zum Kalten Krieg. Band 1

Hamburg: Hamburger Edition 2006; 514 S.; geb., 35,- €; ISBN 978-3-936096-61-3
Für den größten Teil der nördlichen Hemisphäre war die Ära des Kalten Krieges eine Phase des relativen Friedens. Im Süden war die Situation jedoch völlig anders: Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Ende des Ost-West-Konfliktes waren in der Dritten Welt mehr als 150 größere bewaffnete Konflikte mit rund zwanzig Millionen Toten zu verzeichnen. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts keimte dann zeitweilig die Hoffnung auf einen stabilen und dauerhaften Frieden auf. Solchen Erwartungen stand jedoch entgegen, dass in entfernten Regionen bewaffnete Auseinandersetzungen ohne Unterlass weitergingen. Dieses Phänomen verstärkte die Beschäftigung mit der Gleichzeitigkeit von globalem „Kalten Krieg“ und regionalen „heißen Kriegen“ zwischen 1945 und 1989/90. In der Forschung sind diese Konflikte bisher vor allem als Randerscheinungen der Großmächtekonfrontation gesehen worden. Andere regionalspezifische Ursachen und Triebkräfte wurden dabei vernachlässigt. Es zählt zu den Vorzügen des Buches, dass konsequent nach den regionalen und lokalen Bedingungen der ausgewählten Kriege gefragt wird. Die Fallbeispiele werden also nicht ausschließlich als Stellvertreterkriege der beiden Großmächte eingestuft, sondern die Autoren fragen ausführlich nach den regionalen Interessenlagen der politischen und gesellschaftlichen Akteure sowie nach den jeweiligen Machtkonstellationen. Im Kern bestätigen die Einzelanalysen die Hypothese, wonach die heißen Kriege in der Dritten Welt zwar von der Blockkonfrontation beeinflusst worden seien, aber in ihren Ursachen, Austragungsformen und den jeweiligen Folgen nicht ausschließlich auf Interventionen der Supermächte reduziert werden könnten. Vielmehr seien die Feindseligkeiten von vielen anderen Faktoren weitaus stärker bestimmt worden. Deutlich wird zudem, dass die Systemkonkurrenz der Supermächte in vielen Fällen erst zu einer Eskalation der Konflikte beitrug. Deren Waffenlieferungen und politische Interventionen hätten die lokalen und regionalen Konflikte letztlich zu endemischen Krisenherden gemacht.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.14.414.222.612.632.652.672.682.622.64 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Bernd Greiner / Christian Th. Müller / Dierk Walter (Hrsg.): Heiße Kriege im Kalten Krieg. Hamburg: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25973-heisse-kriege-im-kalten-krieg_30201, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30201 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA