/ 18.06.2013
Marikje Smid
Hans von Dohnanyi - Christine Bonhoeffer. Eine Ehe im Widerstand gegen Hitler
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2002; XXIV, 606 S.; geb., 69,- €; ISBN 3-579-05382-5Die Theologin Smid verknüpft in dieser Biografie das politische Denken und Handeln des Ehepaares von Dohnanyi mit seinem Familienleben und der Fürsorge für die drei Kinder. Die Autorin stützt sich dabei auf den Briefwechsel des Paares, der 1922 begann und mit einer Unterbrechung von 1930 bis 1933 bis wenige Tage vor der Ermordung von Dohnanyis andauerte. Die Briefe dienten, ganz in der bürgerlichen Tradition des 19. Jahrhunderts, als Gesprächsersatz. Christine von Dohnanyi, eine Schwester von Dietrich Bonhoeffer, lebte nach außen das unpolitische Leben einer Hausfrau und Mutter. Ihr Mann machte bis 1941 eine beachtliche Karriere und wurde persönlicher Referent des Reichsjustizministers Gürtner. Allerdings hatte von Dohnanyi schon früh begonnen, Beweise über die Verbrechen der Nationalsozialisten zu sammeln. Seine Einberufung zur Wehrmacht umging er, indem er sich für das Amt Auslandsnachrichten/Abwehr unter Canaris dienstverpflichten ließ. Von Dohnanyi nutzte diese Stellung unter anderem, um 1942 14 jüdische Bekannte als V-Leute des militärischen Nachrichtendienstes getarnt in die Schweiz zu schleusen. Er knüpfte außerdem Kontakte zu anderen Oppositionellen wie Goerdeler und Kaiser. Attentatsversuche auf Hitler, an denen er beteiligt war, scheiterten allerdings. Verhaftet wurde von Dohnanyi 1943 aufgrund von Devisendelikten, die in Zusammenhang mit der Rettungsaktion in die Schweiz standen. Seine ebenfalls festgenommene Frau wurde nach kurzer Zeit wieder freigelassen. Obwohl die Anklagegründe praktisch fallen gelassen wurden, blieb von Dohnanyi ebenso wie sein Schwager Bonhoeffer nach dem 20. Juli 1944 in Haft, die Gestapo hatte inzwischen belastende Dokumente gefunden. Von Dohnanyi wurde kurz vor Kriegsende im KZ Sachsenhausen ermordet. Er hätte auch das Kriegsende auf einer unpolitischen beruflichen Position abwarten können, schreibt die Autorin. Dennoch habe er sein Leben und das Glück seiner Familie riskiert und verloren, weil der Widerstand für ihn "einfach der zwangsläufige Gang eines anständigen Menschen" (6) gewesen sei.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Marikje Smid: Hans von Dohnanyi - Christine Bonhoeffer. Gütersloh: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17797-hans-von-dohnanyi---christine-bonhoeffer_20524, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20524
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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