/ 21.06.2013
Claudia Bozzaro
Hannah Arendt und die Banalität des Bösen
Freiburg: Fördergemeinschaft wissenschaftlicher Publikationen von Frauen 2007; VIII, 112 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-939348-09-2Die Chiffre der „Banalität des Bösen“ bildete den Höhepunkt der Arendt’schen Berichterstattung über den Jerusalemer Eichmann-Prozess 1961. In ihren Studien zur totalitären Herrschaft in den 50er-Jahren entwickelte sie im Rückgriff auf Kant dessen Begriff des „radikalen Bösen“ weiter. Dieses ist der Versuch, das menschliche Wesen in der vollständigen Selbstdestruktion zu zerstören. Die Frage nach dem Grund dieses Handelns ist laut Arendt nicht zu beantworten. Vielmehr stellt sie heraus, dass gerade das „radikal böse Handeln“ ohne begreifliche Absicht geschieht. Das Ziel Bozzaros ist es, beide Begriffe zu einer „Banalität des radikalen Bösen“ zusammenzuführen. Mit dieser Verschmelzung reagiert die Autorin auf den Vorwurf der Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen durch die Herausstellung von deren Banalität. Durch die banale Geistlosigkeit des Handelnden wird die Sinnlosigkeit des „radikalen Bösen“ noch verschärft und die Gefahr einer Dämonisierung verringert. Die Banalität äußert sich gerade in dem Entschluss des Handelnden, das eigene Agieren keinem Urteil mehr zu unterziehen. Diese Gedankenlosigkeit banalisiert die Verbrechen des „radikalen Bösen“, führt dessen Sinnhaftigkeit in der Sinnlosigkeit ad absurdum. Das ethische Neuverständnis Arendts vom Denken hin zum Urteilen führt dazu, die Unterscheidung zwischen Gut und Böse, das moralische Urteil, wieder neu verstehen zu können. Bozzaro zeichnet die Arendtsche Begriffsentwicklung und Argumentation in der Stringenz der Zielsetzung ihrer Protagonistin, ein neues ethisches Verständnis im politischen Raum nach dem Schrecken der totalitären Herrschaft einzuführen, nach.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Claudia Bozzaro: Hannah Arendt und die Banalität des Bösen Freiburg: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30173-hannah-arendt-und-die-banalitaet-des-boesen_35775, veröffentlicht am 17.03.2009.
Buch-Nr.: 35775
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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