/ 18.06.2013
Ulrike Kleemeier
Grundfragen einer philosophischen Theorie des Krieges. Platon - Hobbes - Clausewitz
Berlin: Akademie Verlag 2002 (Politische Ideen 16); 339 S.; geb., 49,80 €; ISBN 3-05-003730-XIn ihrer sorgfältig angelegten und differenziert entfalteten Studie analysiert Kleemeier das Phänomen des Krieges, indem sie es aus der Perspektive unterschiedlicher politiktheoretischer Richtungen betrachtet. Während bei Thomas Hobbes die Dimension der physischen Selbsterhaltung im Vordergrund steht, führt Platon den Krieg auf seinen Ursprung in der Psyche der Menschen zurück. Gemäß dem anthropologischen Prinzip stellen gewaltsam ausgetragene Konflikte Unordnungsphänomene dar, die aus dem innerseelischen Unordnungszustand sozialdominanter Menschen herrühren. Die innerseelische Auseinandersetzung, die sich aus dem Mehr-haben-wollen speist, wird nach außen verlagert, d. h. die Gesellschaft wird als externalisierter Kampfplatz der seelischen Triebkräfte erfahrbar. Die "Pleonexia" bringt die Menschen aus der Fassung und Verfassung, sodass sie sich - getrieben von ihrer innerseelischen Maßlosigkeit - ihrer Herrschlust ausliefern und zur kriegerischen Gewalt greifen. Während Clausewitz den Krieg als möglichst planmäßig auszuführende Handlung, als generalstabsmäßigen Akt der Gewalt, in Anschlag bringt, überwiegen bei Hobbes die Aspekte des existenziellen Ausgeliefertseins und Leidens. Für Hobbes ist der Krieg ein beklagenswerter Zustand, der im status naturalis seine paradigmatische Ausformulierung findet. Demgegenüber wählt der Militärtheoretiker Clausewitz einen (kampf)handlungstheoretischen Zugang zum Phänomen des Krieges: „Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen." (Vom Kriege) Wenn Clausewitz daher den Krieg als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln darstellt, so verbietet sich dies für Platon geradezu - eben wegen der anderen Mittel.
Karl-Heinz Breier (KHB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie, Universität Vechta.
Rubrizierung: 5.42 | 5.44
Empfohlene Zitierweise: Karl-Heinz Breier, Rezension zu: Ulrike Kleemeier: Grundfragen einer philosophischen Theorie des Krieges. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17874-grundfragen-einer-philosophischen-theorie-des-krieges_20622, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20622
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Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie, Universität Vechta.
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