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/ 04.06.2013
Richard Hönigswald

Grundfragen der Erkenntnistheorie. Hrsg. von Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Hamburg: Felix Meiner Verlag 1997 (Philosophische Bibliothek 510); LVI, 288 S.; kart., 48,- DM; ISBN 3-7873-1349-4
Der weitgehend in Vergessenheit geratene deutsch-ungarische Philosoph Hönigswald hat in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, genauer: bis zu seiner Versetzung in den Zwangsruhestand durch die Nationalsozialisten, die transzendentalanalytische Erkenntnistheorie weiterentwickelt. Philosophie versteht Hönigswald in der Folge von Kant als Letztbegründung unserer Wirklichkeitserkenntnis, wobei er Erkenntnis gemäß der kantischen Trias als theoretisches Wissen, sittliche Einsicht und ästhetisches Urteil faßt. Diese Position entwickelt er in einer doppelten Abgrenzung vom zeitgenössischen Positivismus und von der Phänomenologie. Der erste verwerfe den Anspruch auf philosophische Letztbegründung und entziehe damit vice versa seiner eigenen Theorie die Grundlage: "Man sieht also, daß die positivistischen Tendenzen [...] voraussetzen, was sie bekämpfen müssen, und bekämpfen, was sie voraussetzen, nämlich den Begriff der Erkenntnis, das Problem des Gegenstandes." (30) Auch die Phänomenologie verliere sich im Differenzieren von Erlebnisbereichen, ohne diese noch philosophisch rechtfertigen zu können. Sie erweise sich, so Wolfdietrich Schmied-Kowarzik im Vorwort, "als ein halbierter und daher schlechter Platonismus, indem er nur Platons Schau der Ideen übernimmt, nicht aber die philosophische Begründungsproblematik der Dialektik Platons" (XIX). Im Anschluß an die methodologische Selbstverortung widmet Hönigswald sich konkreten Problemfeldern: der Naturerkenntnis im Sinne der doppelten Thematisierung von Natur in der "Kritik der reinen Vernunft" und der "Kritik der teleologischen Urteilskraft"; dem Problem der Verständigung autonomer erkennender Monaden; Fragen der Sittlichkeit, des Rechts und der Kunst; abschließend dem Problem des Glaubens. Einen ersten Überblick und eine hervorragende Einführung in das nicht gerade leicht verständliche Gedankengebäude Hönigswalds bietet die gut 50seitige Einleitung von Schmied-Kowarzik.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.2 Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Richard Hönigswald: Grundfragen der Erkenntnistheorie. Hamburg: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5889-grundfragen-der-erkenntnistheorie_7700, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 7700 Rezension drucken
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