/ 22.06.2013
Hans-Martin Schönherr-Mann
Globale Normen und individuelles Handeln. Die Idee des Weltethos aus emanzipatorischer Perspektive
Würzburg: Königshausen & Neumann 2010; 247 S.; brosch., 28,- €; ISBN 978-3-8260-4330-7„Wenn Technologien, Ökonomie und Politik den Planeten umgreifen, dann rücken die Kulturen unweigerlich zusammen“ (13), stellt Schönherr-Mann zu Beginn fest. Dieses Zusammenrücken umfasst aber auch immer die Möglichkeit des Konfliktes zwischen den Kulturen. Dabei geht es dem Philosophen vor allem um die individuelle Handlungsebene. Wie soll man diesen Konflikten entgegentreten? Dass sich eine gemeinsame Weltanschauung oder ein gemeinsames Weltbild unter den Bedingungen der Globalisierung einstellt, hält Schönherr-Mann für ausgeschlossen, von philosophischen Letztbegründungen sieht er ab. Um zu ethischen Kriterien zur Prüfung individuellen Handelns im globalen Kontext zu gelangen, greift er das Projekt Weltethos von Hans Küng auf. Küng eruierte bestehende Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen. Schönherr-Mann geht noch einen Schritt weiter und nimmt an, dass unter Globalisierungs- wie Individualisierungsbedingungen ethische Gemeinsamkeiten nicht nur Religionen, sondern auch die Menschen als Einzelne verbinden. Zudem greift er neben der Religion auch auf die Philosophie zurück. Er diskutiert gemeinsame allgemeine Prinzipien der Religionen und der Philosophie, die in ein Weltethos münden, das beispielsweise das Tötungsverbot einschließt. Schließlich geht es im letzten Teil nicht mehr um die Anerkennung, sondern um die Anwendung moralischer Regeln. Die Funktion von Ethik sieht Schönherr-Mann heute primär in der Selbstkonstitution des Individuums und nicht in der Unterordnung unter die Gemeinschaft. Für die Anwendung der ausgemachten Kernnormen betrachtet der Philosoph bestimmte Kompetenzen und Tugenden, die die Philosophie zeigen kann, als zentral. Sicherheit können diese nicht liefern, ethisches Handeln bleibt Aufgabe einzelner Menschen, die frei in ihren Handlungen sind.
Johannes Jüde (JÜ)
Student, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München, Hochschule für Philosophie München.
Rubrizierung: 5.44 | 5.42 | 4.1 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Johannes Jüde, Rezension zu: Hans-Martin Schönherr-Mann: Globale Normen und individuelles Handeln. Würzburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32155-globale-normen-und-individuelles-handeln_38353, veröffentlicht am 19.11.2010.
Buch-Nr.: 38353
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Student, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München, Hochschule für Philosophie München.
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