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/ 22.06.2013
Jürgen Bellers / Markus Porsche-Ludwig

Geistesgeschichte der Internationalen Politik. Theorien und Philosophien seit Aristoteles

Berlin: Lit 2011 (Internationale Politik 7); 219 S.; 64,90 €; ISBN 978-3-643-11132-6
Selten kommt es vor, dass man sich wünscht, man hätte ein Buch niemals gelesen; diese Monografie ist einer dieser Fälle. Wie es scheint, sollte ein Einführungsband in die wichtigsten Denkströmungen der Internationalen Politik geschrieben werden. Genau weiß man das nicht, denn es fehlt an einem Einführungskapitel, in dem begründet wird, was das Ziel dieses Buches sein soll und weshalb bestimmte Denker aufgeführt werden und manche nicht. Somit macht man sich auf die verzweifelte Suche nach einem roten Faden. Grotesk wird es freilich dann, wenn in der Mitte des Buches auf die Fragestellung innerhalb des nicht vorhandenen Einführungskapitels Bezug genommen wird, so als wüssten die Autoren gar nicht, was sie zuvor geschrieben oder eben nicht geschrieben haben. Hinzu kommt, dass der Text ein spekulativ-assoziativer Reigen von Mutmaßungen, Halbwahrheiten, Fehleinschätzungen und Falschbehauptungen ist: So wird Aristoteles zum Schüler von Sokrates, wobei dieser doch schon tot war, bevor Aristoteles überhaupt geboren wurde. Die EGKS führt für Porsche-Ludwig und Bellers ein geheimes Weiterleben, während die EFTA angeblich gar nicht mehr existiert. Die chinesische Seele – so wird im Kapitel zur Globalisierung geschlussfolgert – tendiere nach innen und betrachte den Export von Gütern deshalb als untergeordnet. Im Abschnitt über den Realismus tauchen Unterkapitel auf, denen kein Fließtext nachfolgt, während andere mit gerade einmal einem Satz bedacht werden. Carl Schmitts Völkerrechtslehre wird auf einer Seite behandelt, ohne mögliche Verbindungen zum Realismus aufzuzeigen. Ferner stellt sich die Frage, warum lediglich auf die Weimarer Werke rekurriert wird und die großen völkerrechtlichen Arbeiten Schmitts unbeachtet bleiben. Das Buch endet letztlich mit einer Aneinanderreihung von großen Denkern des 20. Jahrhunderts, die wohl das umfangreiche Namensgedächtnis der Autoren beweisen soll, denn Sinn macht das keinen. Ein Lichtblick sei jedoch genannt. Der Buchdeckel verkündet emphatisch: „Zurück zu den Quellen!“ Angesichts dieser Monografie ist dies ein richtiger Hinweis.
Patrick Stellbrink (PS)
M. A., Politikwissenschaftler, Promovend an der TU Chemnitz.
Rubrizierung: 4.15.34.435.44 Empfohlene Zitierweise: Patrick Stellbrink, Rezension zu: Jürgen Bellers / Markus Porsche-Ludwig: Geistesgeschichte der Internationalen Politik. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35407-geistesgeschichte-der-internationalen-politik_42677, veröffentlicht am 30.08.2012. Buch-Nr.: 42677 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA