/ 05.06.2013
Otto Gritschneder
Furchtbare Richter. Verbrecherische Todesurteile deutscher Kriegsgerichte
München: C. H. Beck 1998 (Beck'sche Reihe 1272); 196 S.; kart., 19,80 DM; ISBN 3-406-42072-9Die Geschichte der Kriegsgerichtsbarkeit im Dritten Reich ist keineswegs vollends erforscht, wobei die Auswirkungen der verbrecherischen Urteile auch heute noch eine große Rolle spielen, etwa bei der Frage nach dem Umgang mit Wehrmachtsdeserteuren und deren Rehabilitation. Gritschneder präsentiert mit 28 Urteilen zwar nur einen Bruchteil der etwa 30.000 Todesurteile (Hochrechnungen ergeben eine Zahl von 50.000), von denen immerhin 20.000 vollstreckt wurden, jedoch zeigen die Urteile im einzelnen, wie das Rechtsverständnis und damit die Rechtsprechung verbogen wurde, um dem eigenen politisch-ideologischen Glauben oder den politischen Rahmenbedingungen insgesamt zu genügen. Es existieren keine Urteilssammlungen, denn: "Die NS-Kriegsrichter haben alles daran gesetzt, ihre verbrecherischen Todesurteile zu verschweigen, zu vernichten oder sonstwie dem Volke, in dessen Namen sie verlogenerweise verkündet worden waren, vorzuenthalten." (9) Die Urteile decken die vier Hauptanklagepunkte ab: Verweigerung des Wehrdienstes, Fahnenflucht, Selbstverstümmelung und Wehrkraftzersetzung. Jedes Urteil wird durch eine knappe Kommentierung des Herausgebers eingeleitet.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Otto Gritschneder: Furchtbare Richter. München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7690-furchtbare-richter_10205, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10205
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Dr., Historiker.
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