/ 22.06.2013
Arbeitskreis gegen den kärntner Konsens (Hrsg.)
Friede, Freude, deutscher Eintopf. Rechte Mythen, NS-Verharmlosung und antifaschistischer Protest
Wien: Mandelbaum Verlag 2011 (kritik & utopie); 418 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-85476-601-8„In Memoriam – den im Einsatz für Heimat und Vaterland gefallenen, vermissten und nach Kriegsende gewaltsam zu Tode gekommenen Ärzten, Schwestern und Sanitätsgraden beider Weltkriege und der Abwehrkämpfe“ (84). Dies ist die Inschrift einer Gedenktafel der Angehörigen der Ärztlichen Akademie im sogenannten Ehrenhain der Gedenkstädte auf dem Ulrichsberg in Österreich. Es handle sich um ein typisches Beispiel für die Umkehrung des Täter-Opfer-Diskurses, so der Arbeitskreis gegen den kärntner Konsens – die Ärztliche Akademie hieß vor 1945 noch SS-Ärztliche Akademie und diente der Ausbildung von SS-Ärzten und Sanitätsoffizieren. Die Autoren bewerten die Unvollständigkeit der Inschrift daher als einen Versuch, medizinische Verbrechen im Nationalsozialismus zu legitimieren. Als ein anderes Beispiel für die Diskursumkehr nennen sie eine weitere Gedenktafel, mit der Ritterkreuzträger geehrt werden. Das Ritterkreuz wurde Angehörigen von Wehrmacht und SS für besondere Tapferkeit vor dem Feind von Adolf Hitler persönlich verliehen. Die Autoren verwundert insbesondere die Nähe der Tafel der Ritterkreuzträger zu den Tafeln des österreichischen Bundesheeres. Die Gedenktafeln sind nach Ansicht der Autoren aber nur ein Beispiel für mit dem Ulrichsberg verknüpftes „herorisierendes revisionistisches Soldatengedenken“ (78). Sie kritisieren zudem, dass auf den jährlich stattfindenden Feiern auf dem Ulrichsberg unterschiedslos den Gefallenen und Heimkehrern aller Waffengattungen, also auch der Waffen-SS, gedacht werde. Diese mangelnde Distanzierung zu nationalsozialistischem Gedankengut sei es denn auch, die zu einer breiten Akzeptanz der Ulrichsbergfeier bei rechtsaußen stehenden Organisationen, Vertretern von Burschenschaften, den Mitgliedern von Veteranenverbänden und Vertretern rechtsextremer Organisationen wie der Stillen Hilfe oder Vlaams Belang führten. Der Band ist das Ergebnis der Auseinandersetzung antifaschistischer Kräfte wie des Arbeitskreises gegen den kärntner Konsens mit dem „Gefallenen- und Heimkehrergedenken“ (15) auf dem Ulrichsberg.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.4 | 2.23 | 2.25 | 2.312 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Arbeitskreis gegen den kärntner Konsens (Hrsg.): Friede, Freude, deutscher Eintopf. Wien: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34377-friede-freude-deutscher-eintopf_41281, veröffentlicht am 27.01.2012.
Buch-Nr.: 41281
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Politikwissenschaftlerin.
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