/ 12.12.2013
Stephan A. Jansen / Eckhard Schröter / Nico Stehr (Hrsg.)
Fragile Stabilität – stabile Fragilität
Wiesbaden: Springer VS 2013 (zu | Schriften der Zeppelin Universität zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik); 352 S.; 49,99 €; ISBN 978-3-658-02247-1In diesem Sammelband geht es um das Problem gegenwärtiger und – so die Herausgeber – wohl auch künftiger Fragilität in den sozialen Verhältnissen moderner Gesellschaften. Stagnierende Fragilität kommt aus ihrer Sicht dadurch zum Ausdruck, dass wesentliche Institutionen in immer geringerem Maße in der Lage sein werden, Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die Beiträge des ersten Teils skizzieren mit einer hohen thematischen Varianz zwischen soziologischer Theorie und Neuropsychologie die Rahmenbedingungen moderner Gesellschaftlichkeit. Dabei werden die Begriffe Sucht und Spiel (Dirk Baecker), Zufall und Kontingenz (Maren Lehmann) sowie Fragilität und Stabilität (Bruno Preilowski) fokussiert, die allesamt einen heuristischen Zugriff auf den permanenten Spagat zwischen fester Institutionalisierung und Anpassungsfähigkeit in zunehmend komplexen Gesellschaften ermöglichen sollen. Die übrigen Beiträge weisen konkretere Bezüge zur gegenwärtigen Lage in Politik, Bildung, Wirtschaft und Recht auf. So diskutiert Claus Offe in seinem Beitrag die Problematik der Unregierbarkeit in Zeiten der Globalisierung. Wenn Staaten immer weniger in der Lage seien, so Offe, ihre Macht mithilfe institutionalisierter Strukturen durchzusetzen, dann könne dies letztlich zum Staatsversagen führen. In Zeiten der Globalisierung, so Offe, seien nicht mehr die Staaten selbst, sondern transnationale Kooperationen oder supranationale Zusammenschlüsse tendenziell überhaupt noch in der Lage, etwa durch Standardisierungsprozesse Regeln zu setzen und deren Einhaltung zu überwachen. In einem zunehmend globalisierten und technisierten Zeitalter, so führt Christian Schmidt aus, müsse in der Bildung Abstand von der Vermittlung deklarativen Wissens genommen werden. Stattdessen komme dem „Aufbau von Konzeptwissen“ (140) angesichts einer hochgradig ungewissen Zukunft eine immer größere Bedeutung zu. Dem kann auch Bob Jessop in seinem Beitrag grundsätzlich zustimmen, obschon seine marxistische Interpretation der gegenwärtigen Wirtschafts‑ und Finanzkrise eine gewisse Erwartungsstabilität hinsichtlich der Krisenanfälligkeit des kapitalistischen Systems bestätigt. Was daraus aber konkret zu folgern und wie der gegenwärtigen stabilen Fragilität beizukommen ist, bleibt unklar.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.1 | 5.42 | 5.41 | 4.43 | 2.2 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Stephan A. Jansen / Eckhard Schröter / Nico Stehr (Hrsg.): Fragile Stabilität – stabile Fragilität Wiesbaden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36511-fragile-stabilitaet--stabile-fragilitaet_44543, veröffentlicht am 12.12.2013.
Buch-Nr.: 44543
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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