/ 17.06.2013
Cilja Harders / Heike Kahlert / Delia Schindler (Hrsg.)
Forschungsfeld Politik. Geschlechtskategoriale Einführung in die Sozialwissenschaften
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2005 (Politik und Geschlecht 15); 320 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 3-8100-4074-6Die Autorinnen wählen einen gegenstandsbezogenen und transdisziplinären Zugang zum Forschungsfeld Politik aus Geschlechterperspektive mit dem Ziel, „Grundbegriffe und theoretisch-methodologische Fragestellungen zusammen mit methodischen Problemen zu erarbeiten“ (7). Dabei wird eine breite Definition des Politischen unterstellt. Die Verfasserinnen thematisieren in Teil I wissenschafts- und erkenntnistheoretische sowie forschungspraktische Fragen und verdeutlichen den strukturierenden Einfluss von Methodologien als „Denkregeln“ (14), die nicht nur den Forschungsprozess strukturieren, sondern auch über den Verwertungszusammenhang feministischer Forschung entscheiden. In Teil II werden die Gesellschaftstheorien von Bourdieu, Giddens und Foucault neben wissenspolitologischen (Nullmeier/Rüb) sowie konstruktivistischen Ansätzen aufgegriffen. Es wird kritisiert, dass diese Theorien und Ansätze – trotz offensichtlicher und von den Autorinnen sodann im Einzelnen explizierter Anschlussmöglichkeiten – die gesellschaftsstrukturierende Bedeutung von Geschlechterverhältnissen ausblenden bzw. marginalisieren. Politik wird in diesen Beiträgen eher handlungstheoretisch gedacht, wodurch eine Verkürzung entsteht. Im Sinne eines systematischen Überblicks wäre hier z. B. ein Beitrag zur Luhmann’schen Systemtheorie sinnvoll gewesen, zumal diese in jüngster Zeit in der Politikwissenschaft, vereinzelt auch in der Geschlechterforschung, gewinnbringend rezipiert wird. In Teil III werden kulturwissenschaftliche Perspektiven wie postkoloniale, poststrukturalistische und Ansätze der Queer Studies aufgegriffen und nach ihrem Beitrag zu Politik – verstanden als symbolische Ordnung – gefragt. Die Autorinnen argumentieren nicht zuletzt für ein erweitertes Kategoriensystem, welches auch Sexualität oder Ethnizität einbezieht. Der Sammelband vermag insgesamt eine Forschungslücke sowohl im politologischen Mainstream als auch in der feministischen Politikwissenschaft zwar nicht zu schließen, aber doch deutlich zu markieren und eine fruchtbare theoretisch-methodologische Debatte über das Forschungsfeld Politik anzustoßen.
Gabriele Abels (GAB)
Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 2.27 | 1.2 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Gabriele Abels, Rezension zu: Cilja Harders / Heike Kahlert / Delia Schindler (Hrsg.): Forschungsfeld Politik. Wiesbaden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14687-forschungsfeld-politik_26051, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 26051
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Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
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