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/ 20.06.2013
Michael Ploetz / Hans-Peter Müller

Ferngelenkte Friedensbewegung? DDR und UdSSR im Kampf gegen den NATO-Doppelbeschluß

Münster: Lit 2004 (Diktatur und Widerstand 6); 386 S.; geb., 29,90 €; ISBN 3-8258-7235-1
Ohne die Unterstützung aus Moskau und Ost-Berlin wäre die Friedensbewegung „niemals zu einem nennenswerten Faktor in der bundesdeutschen Politik geworden“ (16), schreiben die Autoren. Ihre Untersuchung basiert auf dem von Müller verfassten Abschlussbericht des Forschungsvorhabens „Plan und Realität: die westdeutsche und westeuropäische Friedensbewegung im politischen Kalkül der SED-Führung 1978-1983“, ergänzt und für die Publikation überarbeitet von Ploetz. Wesentliches Merkmal der Darstellung sind die ausführlichen Zitate zahlreicher Quellen. Demnach strebten die Sowjetunion und die DDR als langfristiges Ziel die Verschiebung des Status quo in Europa zu ihren Gunsten an – Maximen wie die „Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten“ oder die „friedliche Koexistenz“ entpuppten sich als Propagandafloskeln. Die Beeinflussung der Friedensbewegung sei möglich gewesen, da sich im Westen eine mit Antiamerikanismus unterfütterte kulturpessimistische Haltung ausgebreitet habe, „die die Freiheit nicht länger für verteidigungswert“ (18) gehalten habe. Die in der westlichen Friedensbewegung dominierende Meinung, wonach der Westen in der Abrüstung vorausgehen sollte in der Hoffnung, der Osten werde nachziehen, habe die Sowjetunion der erfolgreichen Arbeit ihres Sprachrohres, der DKP, zugeschrieben. Tatsächlich sei sie aber bei weitem nicht so einflussreich gewesen wie angenommen. Grundsätzlich habe die Friedensbewegung aus zu unterschiedlichen Persönlichkeiten bestanden, als dass diese zu kommunistischen Handlangern hätten gemacht werden können. Mit der Verhängung des Kriegsrechts in Polen habe die kommunistische Diktatur außerdem wieder ihr wahres Gesicht gezeigt. Während die SPD weiterhin auf offizielle Kontakte gesetzt habe, sei in der DDR eine unabhängige Friedensbewegung entstanden, die ebenso wie Teile der Bewegung im Westen in der Überwindung der Teilung Europas den einzigen Weg zu einem dauerhaften Frieden gesehen habe. Die erst von den Machthabern des Ostblocks unterstützte Friedensbewegung habe damit letztlich zur Erosion der kommunistischen Systeme beigetragen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.224.12.222.622.3142.3132.331 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Michael Ploetz / Hans-Peter Müller: Ferngelenkte Friedensbewegung? Münster: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22294-ferngelenkte-friedensbewegung_25430, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 25430 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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