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/ 06.06.2013
Paul Messerli / Rainer C. Schwinges / Thomas Schmid (Hrsg.)

Entwicklungsmodell Europa. Entstehung, Ausbreitung und Herausforderung durch die Globalisierung

Zürich: vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich 2011 (Forum für Universität und Gesellschaft. Universität Bern); 234 S.; 39,- €; ISBN 978-3-7281-3371-7
Europa, Indien und China sind seit Jahrhunderten aus höchst unterschiedlich entwickelten Regionen zusammengesetzt – doch reicht dies für einen Vergleich der drei doch kulturell so verschiedenen Regionen? In diesem Tagungsband wird genau dieses Gedankenexperiment gewagt. Ausgehend von dem Erkenntnisinteresse „plausible Antworten zu finden, die dem transkulturellen Vergleich und dem Erklären der verschiedenen Entwicklungswege zum besseren Verständnis der heutigen Spielregeln von challenge und rechallenge nützlich sind“ (9), wird die Modernisierungsgeschichte Europas als Referenzmodell analysiert. Wenngleich Europa im Mittelpunkt steht, so wird die Frage nach der Vorbildfunktion Europas kritisch hinterfragt. In den ersten zwei Teilen des Bandes werden somit zunächst die politische, wirtschaftliche und kulturelle Dimension des europäischen Entwicklungsmodells analysiert. Hier werden kaum neue Erkenntnisse präsentiert. Die eigentliche analytische Herausforderung ist der dritte Teil. Hier wird schlussendlich im Kontext von fünf Beiträgen die Gegenüberstellung zur indischen und chinesischen Modernisierungsgeschichte unternommen. Der gemeinsame Nenner im indisch-europäischen Vergleich ist laut Anil Bhatti das jeweilige Interesse, den multiethnischen und plurikulturellen Charakter, sprich Diversität und Heterogenität in einer globalisierten Welt aufrechtzuerhalten. Der Befreiungskampf gegen Kolonialismus und Kastenwesen habe Misch- und Übergangsformen der indischen Kultur hervorgebracht – ein Aspekt, den auch Stig Förster in seinem Beitrag hervorhebt. Er untersucht die britische Indienpolitik und dessen Versuch, europäische Vorstellungen direkt auf Indien zu übertragen. Dabei arbeitet Förster besonders das Scheitern Großbritanniens an den Widersprüchen der eigenen Kolonialpolitik heraus. Im Vergleich zu Indien ist China ein seit Jahrtausenden politisch und kulturell zentralisiertes Land, was sich vor allem auf die Außenbeziehungen und die Integration äußerer Einflüsse auswirkt. Wei Zhang und Jürgen Helbing arbeiten in ihren Beiträgen die Herausforderungen des Zentralstaates vor dem Hintergrund der Frage „von Europa lernen“ heraus und kommen zu dem Ergebnis, dass auch hier Europa keine wirkliche Durchsetzungskraft hat.
Anja Franke-Schwenk (AF)
Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.23.12.612.684.1 Empfohlene Zitierweise: Anja Franke-Schwenk, Rezension zu: Paul Messerli / Rainer C. Schwinges / Thomas Schmid (Hrsg.): Entwicklungsmodell Europa. Zürich: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9149-entwicklungsmodell-europa_40134, veröffentlicht am 04.08.2011. Buch-Nr.: 40134 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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