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/ 22.06.2013
Lars Klein

Die "Vietnam-Generation" der Kriegsberichterstatter. Ein amerikanischer Mythos zwischen Vietnam und Irak

Göttingen: Wallstein Verlag 2011 (Göttinger Studien zur Generationsforschung 7); 396 S.; geb., 39,90 €; ISBN 978-3-8353-0904-3
Diss. TU Braunschweig; Begutachtung: U. Daniel. – Der Mythos einer machtvollen, kritischen Vietnamkriegsberichterstattung, der soweit reichte, dass revisionistische Kriegsbefürworter Reportern wie David Halberstam, Peter Arnett, Neil Sheehan oder Horst Faas die Verantwortung für die Niederlage der USA zuschoben, hat bis heute überlebt. Zuletzt betonten Kriegskorrespondenten aus dem Irak in einer gleichsam entschuldigenden Geste, dass sich die Kräfteverhältnisse zwischen Militär und Medien verschoben haben, die Politik ihre Lektionen aus Vietnam gelernt habe und die Sternstunde der medialen Kriegsberichterstattung im Zeitalter des „embedded journalism“ nicht wiederholbar sei. Der Historiker Klein hinterfragt diese geglaubte Wahrheit und stellt die medialen Narrative, die den Leistungen der Journalisten-Helden huldigen, radikal in Frage. Er untersucht dazu nicht nur die Berichterstattung der Protagonisten der sogenannten Vietnam-Generation der Kriegsberichterstatter, sondern auch die Selbstzeugnisse der Journalisten und deren mediale Rezeption. Kleins Arbeit legt damit einen Diskurs frei, an dessen Fortschreibung politisch rechte Medienkritiker genauso beteiligt sind wie linksliberale Journalisten, die ihr Selbstverständnis, als investigative Journalisten gesellschaftliche und politische Veränderungen in die Wege zu leiten, auf die Arbeit der Vietnamkriegskorrespondenten gründen. Klein enthüllt jedoch, dass dieser Mythos kaum mit der tatsächlichen Berichterstattung und dem Selbstverständnis der berühmten Kriegsreporter übereinstimmt. „Dass diese Reporter [...] als ‚kritisch‘ oder gar ‚oppositionell‘ bezeichnet wurden und werden“, so sein Fazit, „zeigt nur, in welch engen Grenzen sich der Journalismus in den USA bewegt.“ (350) Damit ruft der Historiker Journalisten und Medienwissenschaftler dazu auf, ihr durchaus vorhandenes kritisches Selbstverständnis auch in ihren Texten stärker zu thematisieren.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.642.224.1 Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Lars Klein: Die "Vietnam-Generation" der Kriegsberichterstatter. Göttingen: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34382-die-vietnam-generation-der-kriegsberichterstatter_41286, veröffentlicht am 05.01.2012. Buch-Nr.: 41286 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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