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/ 12.06.2013
Jens Jensen

Die unerkannte Macht – Peinlichkeit als Faktor der Politik

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2007; 103 S.; brosch., 18,- €; ISBN 978-3-8329-2924-4
„Peinlichkeit ist keine Petitesse – sie ist ein Machtfaktor ersten Ranges“ (91), auch wenn ihre Auswirkungen und Mechanismen oft unerkannt bleiben, eben auch weil manches unterbleibt, weil man die Peinlichkeit fürchtet. Dennoch werden Emotionen bei der Entscheidungsfindung oft unterschätzt. Diese Untersuchung will auf die „Bagatellisierung der Emotionen im Rahmen von Entscheidungsprozessen“ (92) hinweisen, ohne nunmehr die Möglichkeit rationaler, nüchterner Überlegungen, die Freiheit und Verantwortlichkeit der Menschen zu leugnen. Gleichwohl gilt aber auch, dass Emotionen, und hier vor allem die „Übertretungsemotionen (Roos)“ wie Scham (der Autor nennt auch: Schuld) und eben auch Peinlichkeit wesentlich zum Zusammenhalt und zur Ausgestaltung politisch-sozialer Systeme beitragen; denn rechtliche und soziale Kontrolle ergänzen einander zur Stabilisation einer Gesellschaft: „Die Pufferwirkung der Peinlichkeit trägt wesentlich dazu bei, den sozialen Alltag störungsfrei zu gestalten“ (93). Daraus ergibt sich auch, dass „Macht besitzt, wer auf diese Emotionen Einfluss nehmen kann“; denn: „Wenn Peinlichkeit [...] in hohem Maße unbewusst verhaltensleitend wirkt, dann ist die Veränderung von Peinlichkeitszuschreibungen eine – bisweilen subtile – Form der Machtausübung.“ (93)
Heinz-Werner Höffken (HÖ)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.232.245.42 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Jens Jensen: Die unerkannte Macht – Peinlichkeit als Faktor der Politik Baden-Baden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14371-die-unerkannte-macht--peinlichkeit-als-faktor-der-politik_33072, veröffentlicht am 02.04.2008. Buch-Nr.: 33072 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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