/ 06.06.2013
Harald Bluhm
Die Ordnung der Ordnung. Das politische Philosophieren von Leo Strauss
Berlin: Akademie Verlag 2002 (Politische Ideen 13); 370 S.; geb., 49,80 €; ISBN 3-05-003573-0Habilitationsschrift. - Ähnlich wie Eric Voegelin und Hannah Arendt hat auch Strauss in den USA erheblichen Einfluss auf die dortige Entwicklung politischer Philosophie gehabt. Gemeinsam ist den drei Autoren - über ihr biografisches Schicksal hinaus, angesichts der nationalsozialistischen Machtergreifung zur Emigration gezwungen worden zu sein - einerseits eine explizite philosophische Ausrichtung (primär auf die griechische Antike) und andererseits ein sehr distanziertes Verhältnis zu den empirisch verfahrenden Sozialwissenschaften. Anders jedoch als im Falle Arendts und - wenn auch eingeschränkter - Voegelins gibt es zum Werk von Strauss (darunter die Arbeiten über Hobbes, Machiavelli oder zur Frage der Tyrannis) bisher nur eine partielle Rezeption. Das könnte sich mit dieser Studie Bluhms ändern. Abgesehen von bemerkenswerten disziplingeschichtlichen Aspekten - so der Ausbildung einer "Strauss-Schule" in den USA - ist Strauss für Bluhm gerade als "radikaler Kritiker der Moderne" reizvoll (13), könnte dessen Werk doch Anstöße für eine erneuerte "Selbstvergewisserung des Westens" geben (11). Strauss' zentrales Thema war die Frage nach der grundlegenden Qualität politischer Ordnung; allerdings - so Bluhms leitende These - entwickelt Strauss "eine paradoxe Form von politischem Philosophieren, nämlich ein politisches Denken, das im Kern unpolitisch ist" (22). Diesen Widerspruch entfaltet der Autor durch ein hermeneutisch-kontextualistisches Vorgehen, mit dem das Denken Strauss' anhand von 5 Phasen rekonstruiert wird, die jeweils spezifische politische und akademisch-disziplinäre Kontexte abbilden. Von besonderem Reiz ist dabei die Arendt, Voegelin und Strauss vergleichende Analyse einer Kritik der Moderne zwischen Dekadenzannahmen und radikaldemokratischer Orientierung.
Inhaltsübersicht: 1. Denkweg und Wirkungsgeschichte; 2. Weimarer Prägungen; 3. Ausformung großer theoretischer Alternativen; 4. Die Kunst des doppeldeutigen Schreibens; 5. Tyrannis oder Totalitarismus; 6. "Naturrecht und Geschichte"; 7. Drei Varianten von Moderne-Kritik (Arendt, Voegelin, Strauss); 8. Konturen des Spätwerks; 9. Die Strauss-Schule in den USA.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.46 | 5.43
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Harald Bluhm: Die Ordnung der Ordnung. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8795-die-ordnung-der-ordnung_18107, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18107
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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