Skip to main content
/ 05.06.2013
Ignacio Ramonet

Die neuen Herren der Welt. Internationale Politik an der Jahrtausendwende. Aus dem Französischen von Gabriela Zehnder

Zürich: Rotpunktverlag 1998; 186 S.; brosch., 36,- DM; ISBN 3-85869-148-8
Das von Ramonet gezeichnete Zukunftsbild ist nicht gerade rosig: Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts herrscht nach seiner Ansicht unter den Menschen, die den "Gefahren und Bedrohungen" des globalen Zeitalters ausgesetzt sind, eine "Weltuntergangsstimmung" (15). Im Unterschied zu den Zeiten des Ost-West-Konflikts, als der Feind noch bekannt war, habe die Welt es nun mit einem "Ungeheuer mit tausend Köpfen und Gesichtern" (20) zu tun, welches durch Krisenerscheinungen wie etwa die Bevölkerungsexplosion, das organisierte Verbrechen und die globale Umweltproblematik verkörpert werde. Die verschiedenen Krisenentwicklungen ordnet Ramonet einzelnen Paradigmen zu: So wirken auf der internationalen, aber auch innenpolitischen Ebene die Dynamiken der "Verschmelzung" und "Spaltung" (24) gleichzeitig, und in sozioökonomischer Hinsicht wird das Denkmodell "der Fortschritt und die Maschine" im Zeitalter der Globalisierung durch die Paradigmen der "Kommunikation und d[es] Markt[es]" (182) ersetzt: Durch die scheinbar unkontrollierbare Ausbreitung der neuen Medien ist Kommunikation dabei "zum neuen Unterdrückungsinstrument geworden" (165), das die Gegensätze zwischen Arm und Reich zusätzlich verschärft und über die Dominanz der anglo-amerikanischen Sprache zu einer "Situation kulturellen Vasallentums" (165) führen wird. Die kulturelle Vorherrschaft ist dabei nur ein Teil der "neuen Hegemonie" (41) der Vereinigten Staaten, die sich - wie "bislang in der Geschichte keine andere Macht der Erde" - deren "Ozeane und [deren] Atmosphäre [...] untertan zu machen vermocht[en]" (51). Der Markt hingegen ist der Schlüssel zur Frage, wer im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert "die wirklichen Herren der Welt" (80) sind: Ramonet klagt die "Wirtschaftsimperien eines neuen Typs" (81) an, die mächtiger seien als die Staaten und trotz fehlender demokratischer Legitimation die Lebensbereiche der Menschen massiv beeinflußten. Angesichts dieses übertrieben düsteren Bilds der Welt und der sehr sprunghaften Darstellung stellt sich an einigen Stellen des Textes doch die Frage, ob nicht der Autor selbst - statt der Zivilisation, die er davor warnen will - der "Faszination des Chaos" (13) verfallen ist.
Tamara Keating (TK)
Dr., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.44.12.2 Empfohlene Zitierweise: Tamara Keating, Rezension zu: Ignacio Ramonet: Die neuen Herren der Welt. Zürich: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7726-die-neuen-herren-der-welt_10253, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10253 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA