/ 21.06.2013
Udo Kelle
Die Integration qualitativer und quantitativer Methoden in der empirischen Sozialforschung. Theoretische Grundlagen und methodologische Konzepte
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007; 331 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-15312-4In der sozialwissenschaftlichen Methodenlehre hat der Dualismus von quantitativen und qualitativen Ansätzen eine lange Tradition, die sich aus unterschiedlichen erkenntnistheoretischen Positionen speist. Für Anhänger quantitativer Methoden gelten die anglo-amerikanische Analytische Philosophie und der Kritische Rationalismus als Referenztheorien, während sich die Verfechter qualitativer Verfahren auf Ansätze kontinentaleuropäischer Philosophie wie Historismus oder Hermeneutik berufen. Vor diesem Hintergrund besteht in der Forschungspraxis – so zeichnet Kelle den Stand der Methodendebatte nach – weithin eine wechselseitige Abgrenzung zwischen zwei konkurrierenden Positionen, die jeweils miteinander unvereinbare Anschauungen über Inhalt und Funktion empirischer Forschung postulieren. Dagegen möchte der Autor einerseits die spezifischen Stärken der beiden Methodentraditionen herausarbeiten, um andererseits ein methodologisches Programm vorzustellen, aus dem sich Strategien der Methodenwahl und -kombination für spezifische Untersuchungsbereiche ableiten lassen. Sein zentrales Argument lautet, dass ohne hinreichende Kenntnis vom zu untersuchenden Gegenstandsbereich methodologische Programme – seien sie quantitativen oder qualitativen Zuschnitts – nicht sinnvoll zu vertreten sind. Soll der Methodendualismus überwunden werden, dürfen in der Forschungspraxis nicht methodologische Prinzipien ausschlaggebend sein. Umgekehrt müssen jene Probleme den Ausgangspunkt bilden, die sich ergeben, wenn inhaltliche Fragestellungen in konkreten Forschungsfeldern beantwortet werden sollen. In seinen Überlegungen geht der Autor zunächst auf die Grenzen der jeweiligen Ansätze ein und behandelt dann ausführlich das Konzept der Kausalität, um abschließend Möglichkeiten der Integration qualitativer und quantitativer Methoden aufzuzeigen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 1.2
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Udo Kelle: Die Integration qualitativer und quantitativer Methoden in der empirischen Sozialforschung. Wiesbaden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27764-die-integration-qualitativer-und-quantitativer-methoden-in-der-empirischen-sozialforschung_32608, veröffentlicht am 01.04.2008.
Buch-Nr.: 32608
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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