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/ 22.06.2013
Dieter Krüger / Felix Schneider (Hrsg.)

Die Alpen im Kalten Krieg. Historischer Raum, Strategie und Sicherheitspolitik. Herausgegeben in Zusammenarbeit der Landesverteidigungsakademie Wien und des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, Potsdam

München: R. Oldenbourg Verlag 2012 (Beiträge zur Militärgeschichte 71); 414 S.; Ln., 39,80 €; ISBN 978-3-486-58817-0
In diesem Band wird die Region der Alpen und ihre strategische Bedeutung zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem des Kalten Krieges beleuchtet. Die Alpen eignen sich für eine geopolitisch-militärische Untersuchung insofern, als sich vor allem in diesem Raum das Neben- und Miteinander der gut vernetzten Bündnisse in Kombination mit den neutralen Staaten zeigt. Obgleich bereits Beiträge zur Geschichte und Bedeutung einzelner Staaten der Alpenregion erschienen sind, liegt der innovative Beitrag dieses Sammelbandes in der vergleichenden Betrachtung der sicherheitspolitischen Probleme aller Alpenländer (einzig Frankreich ist ausgenommen) während des Kalten Krieges, ohne dabei ausschließlich auf die großen Linien des globalen Konflikts abzustellen. Neben dieser innereuropäisch-vergleichenden Herangehensweise werden außerdem neue Erkenntnisse und bislang unbekannte Aspekte bereits bekannter Umstände präsentiert – dies insbesondere dank der zumindest partiellen Öffnung einiger Archive und erst seit Kurzem zugänglichen Dokumente. So stellt beispielsweise László Ritter in seinem Beitrag heraus, dass die zwischen Moskau und Tito geführte Auseinandersetzung deshalb erfolgreich für Jugoslawien ausging, weil „Jugoslawien seine Gegner auch in einem verdeckten Krieg der Geheimdienste besiegt hat“ (277). Für die Darstellung der Auseinandersetzung zwischen dem Satellitenstaat Ungarn und Jugoslawien 1948 bis 1953 kann Ritter bereits zugängliche sowjetische (heutige russische), jugoslawische (hier vor allem serbische), rumänische, bulgarische und albanische Quellen heranziehen und so den „Bruderzwist“ (277), der sich auch in der Alpenregion in und um Triest abspielte, rekonstruieren. Durch die neue Aktenlage sei erwiesen, dass es sich bei den meisten bekannt gewordenen Entführungen und Anschlägen von jugoslawischer und ungarischer Seite aus um Tatsachen und nicht um Erfindungen der Propaganda gehandelt habe. Darüber hinaus sei es erst durch den Österreichischen Staatsvertrag 1954 gelungen, die Krise um das Freie Territorium Triest zu beenden und die bis dahin unklar gebliebene Rolle Österreichs zu definieren. Um Triest geht es auch in dem Artikel von Miljan Milkić. Er verdeutlicht, dass die für die Verteidigungspläne der europäischen Staaten überaus wichtige Stadt ein permanentes Thema bei diplomatischen Treffen war und die Zone B der offiziell als Freies Territorium deklarierten Stadt de facto unter jugoslawischer Militärregierung, Zone A unter großem italienischen Einfluss stand.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.14.414.54.214.222.3132.42.52.612.62 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Dieter Krüger / Felix Schneider (Hrsg.): Die Alpen im Kalten Krieg. München: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34776-die-alpen-im-kalten-krieg_41803, veröffentlicht am 29.03.2012. Buch-Nr.: 41803 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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