/ 04.06.2013
Peter Scholz
Der Philosoph und die Politik. Die Ausbildung der philosophischen Lebensform und die Entwicklung des Verhältnisses von Philosophie und Politik im 4. und 3. Jh. v. Chr.
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 1998 (Frankfurter althistorische Beiträge 2); XII, 434 S.; geb., 136,- DM; ISBN 3-515-07054-0Geschichtswiss. Diss. Frankfurt a. M.; Erstgutachter: K. Bringmann, Zweitgutachter: M. Clauss, U. Muhlack. - Die Studie "will zeigen, daß es [...] der mit der Ausbildung eines Ideals der theoretischen Lebensform verknüpfte Anspruch auf Autonomie der philosophischen Theorie und Lebenspraxis war, der die Philosophen in scharfen Gegensatz zur öffentlichen Meinung brachte und so die Institutionalisierung der Philosophie zum Politikum werden ließ. Dabei soll deutlich werden, daß die Notwendigkeit zur permanenten Abgrenzung und Auseinandersetzung mit der politischen Lebensform die ethische und politische Theorie der Philosophen des 4. und 3. Jh. v. Chr. maßgeblich bestimmte" (7). Der von Scholz eingeschlagene Weg zeichnet sich dadurch aus, daß er die Entwicklung des Verhältnisses zwischen philosophischem Lebensentwurf und Politik von Sokrates bis zu den frühen Stoikern nicht nur von einer biographischen Außenperspektive aus verfolgt, sondern die politikphilosophischen Vorstellungen und Selbstverständnisse der Philosophen mit in seine Überlegungen einbezieht. Entgegen manch verbreiteter Auffassung kommt Scholz dabei zu dem Ergebnis, daß die athenischen Philosophen jener Zeit trotz des Sonderfalles Platon "nur selten mit der Politik in Berührung" (361) kamen. Dies war geradezu eine Bedingung der Herausbildung des philosophisch-theoretischen Lebensideals und der entsprechenden Lebensform als eines gegenüber der politischen Welt eigenständigen Bereichs. Das Buch stellt auch einen Beitrag zur Problematik des Verhältnisses von Geist und Macht dar.
Aus dem Inhalt: Die Antipolitik der frühen Epikureer: Der apolitische Lebensstil und die Antipolitik der Epikureer; Der epikureische Politikbegriff; Der Autonomieanspruch der Philosophie gegenüber der Politik; Epikureische Aussagen zu Königtum und Demokratie; Das philosophische Selbstverständnis der Epikureer; Aufforderungen zur Abkehr vom politischen Leben; Das Leben im Kepos; Die Autonomie der philosophischen Sphäre.
Michael Henkel (MH)
Priv.-Doz. DR., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.31
Empfohlene Zitierweise: Michael Henkel, Rezension zu: Peter Scholz: Der Philosoph und die Politik. Stuttgart: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6131-der-philosoph-und-die-politik_8343, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8343
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Priv.-Doz. DR., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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