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/ 19.12.2013
Jan C. Jansen / Jürgen Osterhammel

Dekolonisation. Das Ende der Imperien

München: C. H. Beck 2013 (C. H. Beck Wissen in der Beck'schen Reihe 2785); 144 S.; 8,95 €; ISBN 978-3-406-65464-0
Jan Jansen und Jürgen Osterhammel datieren die Dekolonisation auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg: Zwar gab dieser „kein allgemeines Fanal zur Dekolonisation. Er ließ jedoch die ersten Elemente einer grundlegenden Legitimationskrise kolonialer Herrschaft erkennen, die in den folgenden Jahrzehnten offen ausbrach" (32), schreiben die Autoren, die insbesondere auf die französischen und britischen Kolonialpraktiken eingehen. Sie begreifen Dekolonisation dabei sowohl als Moment, zum Beispiel in Form der Unabhängigkeitserklärung afrikanischer Staaten, als auch als Prozess, der sich vor, während und nach dem konkreten Moment ereignet, wobei sie anmerken, dass es keine generalisierbaren Dekolonisierungsmuster gibt. Interessant für die Historie der internationalen Politik ist die Veränderung der Kolonialpolitiken. So wandelten sich die Kolonien von Prestigeobjekten zu ausgeklügelten Verwaltungsapparaten und aus dem vornehmlichen Expansionsstreben der Kolonialmächte wurde eine akribische Finanzpolitik zur Abwägung von Kosten und Nutzen der Kolonien. Im Dekolonisationsprozess zeigte sich wiederum die enge Verschränkung aus geplanter Dekolonisation einzelner Kolonialgebiete und nicht‑intendierten und sich verselbstständigenden Unabhängigkeitsprozessen in Afrika und Asien. Den Zweiten Weltkrieg sehen Jansen und Osterhammel dabei als Katalysator für antikoloniale Bewegungen an, da Kolonialmächte wie Frankreich und Großbritannien Zugeständnisse an die Kolonialgebiete machten, dadurch jedoch die Dekolonisation weiter beförderten, indem sie die Gegenbewegungen indirekt bestärkten, weitere Forderungen zu stellen. Neben der instruktiven und quellenreichen Beschreibung gehen die Autoren auf Wirtschaftsprozesse und die Stellung der Dekolonisation für das weltpolitische Geschehen ein. Sie zeigen unter anderem auf, dass „zwischen Kaltem Krieg und Dekolonisation […] eine Wechselwirkung“ (101) bestand. Statt eines Fazits verknüpfen die Autoren die Dekolonisationsprozesse mit gegenwärtigen Migrations‑, Integrations‑ und Erinnerungspolitiken verschiedener Länder. Offen bleibt leider zumeist, welche Bedeutung der Geschlechterfrage bei der Dekolonisation zukam und wie Frauen an diesen Prozessen – auf Seiten der Kolonialmächte und der (ehemals) Kolonisierten – teilhatten.
Stefan Wallaschek (WAL)
Doktorand, Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS).
Rubrizierung: 4.12.672.68 Empfohlene Zitierweise: Stefan Wallaschek, Rezension zu: Jan C. Jansen / Jürgen Osterhammel: Dekolonisation. München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36535-dekolonisation_44708, veröffentlicht am 19.12.2013. Buch-Nr.: 44708 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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